Am Anfang, als die Erde wüst und leer war, gab es der Bibel zufolge nur den Geist Gottes und das Wasser, über dem er schwebte. Zumindest die flüssige Komponente dieser Erzählung erhält nun eine gewisse Bestätigung durch die Elementarteilchenphysik. Als kürzlich am Brookhaven National Laboratory auf Long Island, New York, jener Materiezustand erzeugt wurde, der das Universum wenige Mikrosekunden nach dem "Big Bang" erfüllte, verhielt sich das seltsame Zeug überraschenderweise wie eine Flüssigkeit. Geistig eingerichtet hatten sich die Forscher eigentlich eher eine Art Gas, ein so genanntes "Quark-Gluon-Plasma", in dem sich die elementaren Materiebausteine (Quarks) und ihre Bindungsteilchen (Gluonen) nahezu frei bewegen. Doch als sie an ihrem "Relativistischen Schwerionenbeschleuniger" (Relativistic Heavy Ion Collider, RHIC) Goldatome mit solcher Wucht aufeinander schossen, dass Temperaturen von mehreren Billionen Grad (150.000 Mal heißer als das Sonneninnere) entstanden, reagierten die Bruchstücke anders als erwartet: Statt zufällig durcheinander zu fliegen – wie die Theoretiker vorhergesagt hatten – bewegten sich die Quarks und Gluonen wie ein Fischschwarm brav alle in dieselbe Richtung. "Kein Mensch hatte das erwartet", staunt der britische Physiker John Nelson, der eines der vier Experimente am RHIC leitete. Selbst bei diesen extremen Temperaturen weisen die Quarks und Gluonen noch kollektives Strömungsverhalten auf. Brookhaven-Direktor Sam Aronson schwärmt gar von einer "nahezu perfekten Flüssigkeitsbewegung". Denn in diesem Urzustand der Materie fließt das Quark-Gluon-Gemisch offenbar besonders reibungsarm dahin – Physiker bezeichnen so etwas auch als "ideale Flüssigkeit", da sie so gut wie keine Zähigkeit (Viskosität) aufweist. Das seien schon "sehr überraschende Ergebnisse" kommentiert der deutsche Physiker Peter Braun-Munzinger von der Gesellschaft für Schwerionen-Forschung in Darmstadt. Auch am europäischen Teilchenforschungszentrum CERN in Genf zerbricht man sich bereits den Kopf, wie diese Ergebnisse mit den bisherigen Modellen zu vereinbaren sind. Zwar zweifelt niemand an der derzeit gültigen Quark-Theorie (der so genannten Quantenchromodynamik), doch das unerwartete Verhalten der Quarks und Gluonen lässt sich wohl nur beschreiben, wenn die Theorie erweitert wird. Die Ergebnisse, die in der August-Ausgabe der Zeitschrift Nuclear Physics A knapp 300 Seiten (Bd. 757, Issues 1-2, S. 1-283) füllen, werden den Theoretikern auf der demnächst stattfindenden Konferenz "Quark Matter 2005" in Budapest viel Stoff zum Debattieren zu geben.