Mit einem Kurssturz der Danone-Aktie um knapp acht Prozent ist heute die Spekulation auf eine Übernahme des französischen Nahrungsmittelkonzerns durch PepsiCo zusammengebrochen. Der US-Getränkemulti hat der Pariser Börsenaufsicht Autorité des Marchés Financiers (AMF) erklärt, "gegenwärtig" keine Kaufpläne zu verfolgen. Nun ermittelt die Börsenaufsicht wegen des Verdachts der Kursmanipulation: "Wir werden uns die Kauf- und Verkaufbewegungen und die Entwicklung der Aktie ganz genau anschauen", ließ die AMF verlauten. Aufgrund der Gerüchte war der Aktienkurs binnen zwei er Wochen von 72 auf 87 Euro geklettert, obwohl das Unternehmen vor der Bekanntgabe eines Gewinneinbruchs im ersten Halbjahr stand. Allein am vergangenen Mittwoch wurden 12 Millionen Aktien umgesetzt, was etwa fünf Prozent des Kapitals entspricht. Der französische Nahrungsmittelkonzern wehrte sich heute gegen die Behauptung, er selbst habe die Spekulation angeheizt, um den Kurs zu stützen. Der Kleinaktionärsverein ADAM hält jedoch ein Insiderdelikt für möglich und hat Klage eingereicht.PepsiCo dementierte die Übernahmegerüchte zunächst nicht, was zusätzliche Verwirrung schuf. Nach französischem Recht muss ein Konzern bestehende Übernahmepläne bestätigen, wenn über sie am Markt offen spekuliert wird. Nun also: "gegenwärtig" wird nicht gekauft — und das bedeutet, dass PepsiCo auf lange Sicht durchaus als Käufer in Frage kommt.Die französische Regierung forderte, Danone "mit allen Mitteln" zu schützen. Das Unternehmen sei mehr als ein "nationales Prunkstück", formulierte der französische Arbeitsminister Jean-Louis Borloo. Die dramatisierende Reaktion aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften, ausnahmsweise gegen einen gemeinsamen Feind geeint, unterstreicht indessen nur die Widersprüchlichkeit der französischen Wirtschaft. Vor einigen Jahren wollte Danone eine Fabrik in Nordfrankreich umstrukturieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben – da wurde das "Prunkstück" als Job-Killer angeprangert. Lauthals und empört hatten diejenigen reagiert, die heute Danone im Namen der obersten Interessen der Nation verteidigen.Auf einer Seite Stolz, in einigen Branchen weltweit zu den Größten zu gehören. Auf der anderen Seite Blockade der Modernisierung dieser Prestige-Unternehmen. Doch wenn diese sich selbst reformieren dürften, wäre dies der beste Schutz gegen Übernahmen – weitaus wirksamer als jede staatliche Intervention.