Der 19. Juli markierte eine Zäsur im deutschen Finanzsystem. Staatliche Garantien für Sparkassen und Landesbanken sind nicht mehr erlaubt. Die Debatte um Sinn und Unsinn von öffentlichrechtlichen Sparkassen allerdings geht weiter. Benötigen wir eine fundamentale Umgestaltung des Banken- und Finanzsystems?

Der Sektor der öffentlichen Banken ist der größte im deutschen Bankensystem.

Die Mehrheit der Experten hält dies für einen Missstand. In vielen Ländern wurden in den vergangenen Jahren öffentliche Banken privatisiert. Die Argumente sind bekannt: Genauso wenig wie auf dem Markt für Möbel und Baustoffe habe der Staat auf dem Markt für Bankleistungen eine Rolle zu spielen - Staatseinfluss führe zu Ineffizienz und Politisierung. Also, so die Kritiker des deutschen Drei-Säulen-Modells aus privaten, genossenschaftlichen und öffentlichen Banken, müsse nach angelsächsischem Vorbild auch in Deutschland der Kapitalmarkt die Hauptrolle spielen. Neben ihm sollte es künftig nur noch private Banken geben.

Allerdings: Solide Nachweise für eine Politisierung bei den Sparkassen gibt es - anders als bei den Landesbanken - nicht. Auch kann von Ineffizienz keine Rede sein. Seit Jahren sind die Sparkassen die rentabelste Bankengruppe.

Fehlender Wettbewerb lässt sich zumindest auf der lokalen Ebene nicht nachweisen. Dazu ist die Kreditvergabe der öffentlichen Banken im Konjunkturverlauf stabiler als die der privaten, was gesamtwirtschaftlich positiv zu werten ist. Auch jüngere Erkenntnisse der Finanztheorie bieten Anlass, am Sinn einer Privatisierung öffentlicher Banken und Sparkassen zu zweifeln.

Eine grundsätzliche Frage der Wirtschaftswissenschaften ist, ob staatsfreie Märkte wirklich funktionieren. Nur, wenn sie das nicht tun, lässt sich eine aktive Rolle des Staates rechtfertigen. Funktionsprobleme gibt es bei den Banken aber in der Tat. Die erste Form dieses Marktversagens resultiert aus dem Risiko der Schwankung von Einkommen und, daraus abgeleitet, von Vermögenswerten. Das steile Auf und Ab von Aktien- und Immobilienpreisen etwa in den Japan in den neunziger Jahren ist dafür ein Beispiel.

Ein gutes Finanzsystem sollte dieses so genannte intertemporale Risiko beschränken. Es gibt die berühmte Geschichte aus dem alten Testament: Der Pharao hatte von sieben fetten und sieben mageren Kühen geträumt, die aus dem Nil steigen. Joseph deutet den Traum richtig. Er erkennt das Risiko der gesamtwirtschaftlichen Einkommensschwankungen und empfiehlt dem Pharao Lagerhäuser zu bauen. Das gleicht die Einkommensschwankungen aus.