Alle Banken können im übertragenen Sinne Lagerhäuser bauen. In guten Jahren können sie Reserven bilden und sie in schlechten wieder auflösen. Diese Glättung von Vermögen und Einkommen würde das intertemporale Risiko beseitigen: eindeutig ein gesamtwirtschaftlicher Vorteil.

Aber welche Banken können sich so verhalten? Nicht die privaten Banken, deren Aktien an der Börse gehandelt werden. Wenn sie in guten Jahren Reserven bilden, ohne dies bekannt zu machen, handeln sie nicht im Interesse ihrer Aktionäre. Zudem müssen sie fürchten, dass dann Finanzinvestoren, die berühmten Heuschrecken, die Bank übernähmen, um die Reserven aufzudecken.

Decken die Banken aber ihre Reserven auf, fühlen sich die Aktionäre in guten Jahren reicher und geben mehr aus - und in schlechten Jahren sparen sie. Das verstärkt das intertemporale Risiko, statt es zu vermindern. Anders als private Banken können öffentliche Banken dagegen dieses Risiko minimieren. Da es für sie keine Aktienkurse gibt, an deren Steigerungen sich ihre Manager messen lassen müssen, können sie wie der Pharao mit seinen Lagerhäusern ein gesamtwirtschaftlich schweres Risiko beseitigen.

Zweitens ist es für jede Volkswirtschaft sehr wichtig, dass es wirklich risikofreie Vermögenspositionen gibt. Ohne risikofreie Positionen kann keine Liquidität entstehen - auf Märkten zwischen den Banken, aber auch zwischen Unternehmen und Banken. Deshalb leistet der, der echte AAA-Positionen schafft, einen Beitrag zur Stabilisierung der Wirtschaft und des Finanzsystems. Aber wer kann mit welchen Kosten wirklich risikofreie Positionen herstellen? Für einen rein privaten Bankensektor wäre das unvertretbar teuer. Für Banken, hinter denen der Staat mit seiner Macht der Besteuerung steht, ist es hingegen vergleichsweise billig.

Ein drittes Argument für öffentliche Banken ergibt sich aus der Krisenanfälligkeit von Banksystemen. Bankenkrisen entstehen durch Ansteckung. Staatliche Banken bilden Schutzwälle gegen Ansteckungsrisiken.

Damit spricht auch das Interesse an der Stabilität des Finanzsystems für ihre Erhaltung.

Was folgt daraus? Erstens: Politiker sollten nie überstürzt handeln, ohne zu wissen, welche Auswirkungen dies auf die Effizienz und die Stabilität des gesamten deutschen Finanzsystems haben könnte. Zweitens: Es muss noch mehr geforscht werden, um diese Zusammenhänge besser zu verstehen.