Anfang April 1945 kann man in Buchenwald bereits die Geschütze der Amerikaner hören. Aber der Krieg ist noch nicht zu Ende, und die Gefangenschaft dauert für den Theologen Dietrich Bonhoeffer an. Noch einmal soll er umquartiert werden. Unter den Transportierten macht sich Erleichterung breit, als das Vernichtungslager Flossenbürg passiert wird. Schließlich landet die Gruppe in Schönberg, nördlich von Passau. Es gibt eine Schüssel Kartoffeln für alle.

Man sitzt am Fenster und sonnt sich, heißt es in der gut zweieinhalbstündigen Hörbuchfassung Dem Rad in die Speichen fallen, die auf dem ausgezeichneten Bonhoeffer-Buch von Renate Wind beruht (Gelesen von Matthias Ponnier, gekürzte Fassung, 2 CDs, 167 Min. - Beltz & Gelberg, 16,90 e, für Jugendliche ab 10 Jahren). Beschrieben wird eine Scheinidylle, zugleich einer der letzten hellen Momente in dieser immer dunkler werdenden Geschichte. Und spätestens jetzt ist der Augenblick erreicht, in dem der Hörer daheim aufhört, auch nur das Geringste noch nebenher zu tun.

Bonhoeffer wird doch nach Flossenbürg gebracht. Der Lagerarzt berichtet, der Gefangene habe vor seiner Hinrichtung gebetet und sei ruhig und gefasst gewesen - am Morgen des 9. April 1945 wird er ermordet. Seine Verlobte Maria von Wedemeyer, die auf der Suche nach ihm ist, erfährt erst Wochen später von seinem Tod. Vielleicht ist es die Stimmung dieses getröstet und geborgen wunderbar, wie es in Bonhoeffers Gebeten heißt, die einen hier buchstäblich aus der Bahn wirft oder auch - das gibt es ja tatsächlich - wieder auf die Spur bringt. Im Tod lebendig wird noch einmal Bonhoeffers Credo, das im berühmten Brevier als Predigt aus dem Jahre 1934 verzeichnet ist. Es geht da um Jeremia, den Gefangenen Gottes, und so sieht sich Bonhoeffer auch selbst: Es ist der Weg des Menschen, den Gott nicht mehr loslässt, der Gott nicht mehr los wird, d. h. aber auch der Weg des Menschen, der nie mehr - im Guten oder Bösen - gottlos wird.

Bonhoeffer hat froh gelebt, ist nicht lachend in den Tod gegangen, aber lächelnd, und der Schauspieler Matthias Ponnier schafft es, dass man dieses (Lebens-)Lächeln hört. Er lässt diese Biografie leuchten - ohne pathetisch zu werden. Und weil er als Erzähler einen distanzierten Ton gewählt hat, kann er diese Distanz zum Schluss aufgeben. Da ist dann nur noch: Traurigkeit.