Liebe Rentnerinnen, liebe Rentner, geben Sie Ruhe, unser schönes Senioren-Center ist kein Kindergarten und ein Salzstreuer kein Wurfgeschoss. Das möchte ich nicht zweimal sagen. Das Hämmern mit dem Krückstock auf die Tischkante ist ebenfalls untersagt. Das gilt auch für das Ehepaar Müller-Remagen und für Senioren mit Störungen im Bereich des vegetativen Nervensystems. Natürlich versteht die Heimleitung Ihre Wut. Sie ist berechtigt, aber nur auf den ersten Blick. Warum zeigen Sie mit den Fingern auf Peter Hartz und seine Altersrente? Wir vom Leitungsteam finden das nicht fair. Versetzen Sie sich doch einmal in seine Lage. Audiatur et altera pars, wie der Lateiner sagt. Auch Führungskräfte haben Anspruch auf menschenwürdige Behandlung im Alter. 15000 Euro Alterssicherung im Monat sind kein Pappenstiel, aber auch kein Grund, unser schönes Mobiliar zu zerkratzen. Für seine Alterssicherung muss ein Manager lange arbeiten. Daran gemessen, sind 15000 Euro nur eine Grundsicherung und dienen der notdürftigen Aufrechterhaltung gewohnter Lebensvollzüge. Auch für Führungskräfte gilt der Grundsatz: Hausbetreuung hat Vorrang vor Heimaufenthalt. Wollen Sie Manager zwingen, ihre warme Villa zu verlassen? Was soll aus all den Zimmermädchen werden, den Küchenhilfen, Gärtnern und Hausmeistern? Vom Servierpersonal und der Geliebten ganz zu schweigen. Wollen Sie die alle ins Altersheim abschieben, damit sie uns hier auf die Pelle rücken? Wir sind ohnehin schon zu viele. Lassen Sie es mich so sagen: Abzüglich der oben genannten Personalkosten verbleiben Dr. Hartz und seiner mit ihm in Bedarfsgemeinschaft lebenden Ehefrau zur finanziellen Deckung ihrer Lebensstandardsituation ein Betrag von 340 Euro monatlich. Damit fällt Dr. Hartz in den Geltungsbereich von HartzIV und hat Anspruch auf staatliche Barmherzigkeit. Jawohl, es stimmt, er ging beim Bundeskanzler ein und aus. Ein Gesetz trägt seinen Namen. Aber, liebe Senioren, wo steht Ihr Name schon drauf? Nur auf dem Schild an der Zimmertür, und auch das wird Schwester Heike eines Tages abschrauben, so Leid es uns tut. Wir sind nur Gäste auf dieser Erde. Aber zum Glück ist es ja noch nicht so weit. Deshalb: Hoch die Tassen! Stoßen wir an. Kamillentee hält uns jung und munter. Wie immer kostenlos. Er schont den Magen und Ihr Taschengeld. Und nun Prost allerseits! Finis