An dem Befund gibt es nichts zu deuteln: Das Steuerrecht für Unternehmen in Deutschland ist ein Übel. Die Vorschriften sind zu kompliziert, die Lasten werden ungleichmäßig und damit ungerecht verteilt. Das System verleitet Manager und Unternehmer zu wirtschaftlich unvernünftigen Entscheidungen, treibt Betriebe - oder zumindest deren Gewinne - in die Fremde und schreckt ausländische Investoren ab. Kurzum: Statt den Wohlstand im Lande zu fördern, hemmt das Steuerrecht das Wirtschaftswachstum und vernichtet Jobs.

Der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard hat Recht: Wie Unternehmen besteuert werden, entscheidet über die wirtschaftliche Zukunft des Landes. Deshalb zählt eine Reform der Unternehmensteuern zu den Hauptaufgaben der nächsten Legislaturperiode.

Bloß tummeln sich die Politiker aller Parteien bisher hauptsächlich auf einem anderen Feld, nämlich bei der Frage, wie stark der Fiskus auf die privaten Einkommen der Bürger zugreifen soll. Die einen Parteien locken ihre Klientel mit möglichst niedrigen Sätzen in der Einkommensteuer, die anderen hoffen, mit dem Versprechen einer Reichensteuer Punkte zu machen.

Die Reform der Unternehmensbesteuerung ist weitaus schwieriger zu bewältigen und zu erklären. Damit der Steuerstandort Deutschland seine abschreckende Wirkung verliert und für Aus- wie Inländer attraktiv wird, müssen die Steuersätze für Unternehmen deutlich gesenkt werden. Dabei geht es gar nicht darum, mächtige Konzerne aufzupäppeln. Denn im Gegenzug müssen die Gewinne steuerlich vollständig erfasst werden und mithin Ausnahmen von der Steuer gestrichen werden. Immerhin meint ein Expertenzirkel bei der Stiftung Marktwirtschaft, der gegenwärtig ein Reformkonzept vorbereitet, dass die Steuersätze von heute bis zu 39 Prozent (einschließlich der Gewerbesteuer) auf konkurrenzfähige 25 Prozent heruntergeschleust werden können, ohne dass Bund, Länder und Gemeinden wesentliche Einnahmen einbüßen.

Niedrigere Steuersätze allein reichen jedoch nicht aus. Auch die heutigen Verzerrungen müssen weg. Beispielsweise muss künftig steuerlich gleich sein, in welchem Ausmaß sich ein Betrieb über Eigen- oder Fremdkapital finanziert.

Und jedes Unternehmen, egal, ob Aktiengesellschaft, GmbH oder Personengesellschaft, sollte bei gleichem Gewinn die gleichen Steuern zahlen.

Auch nach der Reform wird die Unternehmensbesteuerung nicht gerade einfach sein - dazu sind die Wirtschaftsabläufe zu komplex. Aber das System muss ökonomisch vernünftig, effizent und transparent werden. Dann geht es auch ohne Bierdeckel.