Tom Bernstein fühlt sich missverstanden. Dabei ist doch alles, was er will, Einigkeit. Er will die Einigkeit ausstellen, die Amerika nach der Attacke auf das World Trade Center ausgezeichnet hat. Bernstein ist Gründer des International Freedom Center. Dieses Center soll das auf Ground Zero geplante Museum der Freiheit einrichten, im Schatten von Daniel Libeskinds Freedom Tower, neben dem Mahnmal für die Toten und dem Park der Helden. Das Museum, eine Glashülle, entworfen von dem norwegischen Büro Snohetta, soll "Freiheits-Orte" beherbergen, dazu "Freedom Hot Spots" und einen spiralförmigen "Freedom Walk", der an Fotos von Freiheitskämpfern wie Lyndon B. Johnson und Martin Luther King vorbeiführt. Es soll aber auch die dunkle Seite der Freiheit darstellen, die Sklaverei, die Gulags, die Vernichtung in Auschwitz, die Ausrottung der Indianer, die Niederschlagung des Aufstands auf dem Tiananmen-Platz in Peking.

Doch so viel verdunkelte Freiheit kommt bei vielen in New York nicht gut an, schon ist die Rede von anti-amerikanischer Hetze, und eine hitzige Debatte entbrennt. Ganz offensichtlich geht es bei dem Museum um mehr als bloß um Ausstellungsstücke. Es geht darum, wer in den USA definieren darf, was Freiheit ist.

Für Debra Burlingame ist die Antwort klar: die US-Regierung und ihr Präsident George W. Bush. Debra Burlingame ist die Schwester von Charles F. Burlingame III., dem Piloten, dessen Boeing 767 am 11. September ins Pentagon eingeschlagen ist. Sie sitzt im Aufsichtsrat der World Trade Center Memorial Foundation, die sich um das Mahnmal für die Toten auf den Fußstapfen der Twin Towers kümmert. Sie schlug Alarm, im konservativen Wall Street Journal: Das Freedom Center sei von "radikalen Amerikahassern unterwandert, dem Who’s who einer von Menschenrechten und Guantánamo besessenen Welt". Zum Beweis zählt sie mehrere Berater des Freedom Center auf: Anthony Romero, Direktor der American Civil Liberties Union, der das Museum umfunktionieren wolle, um die Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten seit dem 11. September anzuklagen, oder Michael Posner und Georg Soros von der Organisation Human Rights First, die Pentagon-Chef Donald Rumsfeld für die Folter in Abu Ghraib verantwortlich machen. "Die Lower Manhattan Development Corporation" – die zuständige staatliche Bauentwicklungsbehörde – "gibt den gleichen Leuten Millionen von Dollar, deren aufrührerische Hetze über Folter in Guantánamo die Bemühungen unseres Landes unterminiert, Freiheit zu verbreiten". Sie will in dem Museum zerstörte Feuerwehrautos sehen.

Die Boulevardpresse schäumt und sieht die Opfer verhöhnt

Zwar ist über die konkreten Pläne des Freedom Center noch gar nicht viel bekannt. Was aber konservative Kritiker aufmerken ließ, ist eine private Kunstgalerie, die aus unerfindlichen Gründen ebenfalls in dem Museum auf Ground Zero unterkommen soll: das Drawing Center. Das Drawing Center stellt in seinen derzeitigen Räumen in SoHo beispielsweise eine Installation aus, die sich über Bushs "Achse des Bösen" lustig macht.

Die Boulevardpresse schäumte: Das Drawing Center zeige "Kunst", die Bush in die Nähe von Osama bin Laden rücke sowie auf vulgäre Weise Folter durch US-Soldaten darstelle. Daraufhin forderten Familienmitglieder von 9-11-Opfern, Gelder für Ground Zero zu streichen. Eine halbe Millarde Dollar sollen das Museum und das Mahnmal kosten, deutlich mehr als die Hälfte davon kommt vom Staat.

Nun konnte auch New Yorks Gouverneur George Pataki nicht schweigen. Er wandte sich öffentlich gegen das, was der Zentrumsleiter Bernstein – den er selber zum Verantwortlichen gemacht hatte – möglicherweise dort ausstellen würde. "Wir werden nichts tolerieren, das Amerika herabsetzt, das New York herabsetzt oder die Freiheit oder die Opfer und den Mut, den die Helden des 11. September gezeigt haben", sagte Pataki. Dies wiederum hat liberale Verteidiger auf den Plan gerufen. Die New York Times sorgte sich um die Freiheit der Kunst und warnte vor "Hurrapatriotismus".

Was nur hat der Genozid an den Indianern mit Ground Zero zu tun?