Für Typen wie Bobby Long (John Travolta) scheint New Orleans mit seinen verblichenen Fassaden und abgeblätterten Holzhäusern eine Art natürliches Rückzugsgebiet. Irgendwo am Rande der Stadt lebt er mit seinen Kumpels und einem Meer von Whisky-Flaschen in den Tag hinein. Bobbys Melancholie und seine Gitarre sind eins, und wenn sich die Clique im Vorgarten auf speckigen Clubsesseln und plattgesessenen Polstergarnituren niederlässt, dann scheint die Südstaaten-Szenerie perfekt. Doch braucht dieser Blues wirklich noch eine Erzählung? Müssen die angeschlagenen Schicksale rund um die leeren Flaschen um jeden Preis in Story, psychologisch durchkonstruierten Plot und runden Schluss münden? Immerhin bewahrt Shainee Gabel in ihrem Regiedebüt Lovesong für Bobby Long den gemächlichen Mississippi-Trott, diesen verlangsamten Rhythmus, der immer auch Lebensform ist. Da mag die in ihre Heimat zurückgekehrte Purslane (Scarlett Johansson) mit der Tür ins Haus fallen - so leicht lassen sich Bobby und Lawson (Gabriel Macht) nicht aus dem Alkoholdunst reißen. Schließlich hat Purslanes verstorbene Mutter das heruntergekommene Haus allen dreien vermacht. So mausert sich eine weitere Kino-Zweckgemeinschaft zur Ersatzfamilie mit Zukunftsplänen. Purslane bringt das Haus auf Vordermann, während Bobby und Lawson für die Bildung der White-Trash-Göre sorgen und sie wieder zur Schule schicken. Ohnehin wird hier eine äußerst kultivierte Form der Verwahrlosung gepflegt, denn in seinem früheren Leben war Bobby Professor und Dawson sein Schüler. Die Zeit zwischen den Schlucken vertreibt man sich mit literarischem Rätselraten. Auch wenn der Niedergang in manchmal allzu dekorativen Schmuddel-Tableaus zelebriert wird, macht der leicht verfettete Travolta als zynischer Beobachter der Zeitläufte durchweg eine gute Figur. Wenn er im leuchtend roten Bademantel und mit Gummilatschen über die Veranda schlurft, fällt ihm zu jeder Situation das passende Romanzitat ein. Vielleicht hätte sich Shainee Gabel einfach der hellsichtigen Melancholie dieses Sonderlings anvertrauen sollen, anstatt das Trio mit selbsttherapeutischem Impetus in den Kisten und Briefen der Vergangenheit wühlen zu lassen. So wirkt der Film wie eine Blues-Platte, die rückwärts läuft und die eigentlich so folgerichtig entgleisten Schicksale wieder fein säuberlich ins Lot kommen lässt.