Es war ein Kampf, so hässlich, wie ihn sich nur ehemalige Freunde liefern können. Zwanzig gemeinsame Jahre, erst bei Siemens, später bei Infineon, hatten Ulrich Schumacher und Andreas von Zitzewitz zusammengeschweißt, sie teilten den Hang zum Motorsport, sie fuhren gemeinsam Rennen. Dann, im März 2004, revoltierten Zitzewitz und zwei weitere Vorstände des Halbleiterherstellers gegen ihren Chef Schumacher. Auf einer Sondersitzung des Aufsichtsrats kämpfte Schumacher um sein Amt, sechs lange Stunden, dann gab er auf. Doch er hatte auch eine Spur gelegt. Eine Spur, die jetzt, fast eineinhalb Jahre später, zu einer Razzia der Münchner Staatsanwaltschaft führte – und seinen Exfreund und Neufeind Zitzewitz den Job kostete.

Der Vorwurf: Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung. Die Verdächtigen: Zitzewitz, der 2004 bei Infineon ausgeschiedene Topmanager Harald Eggers sowie Udo Schneider, der Chef der Schweizer Sponsoring-Agentur BF Consulting. 259.000 Euro Schmiergeld soll Zitzewitz erhalten haben, Eggers 50.000 Euro. Das Geld kam von Schneider. Genau darüber hatte Schumacher Infineons Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley informiert.

Es ist ein spektakulärer Skandal, und das kurz nachdem bei Volkswagen mehrere Topmanager und der Gesamtbetriebsratschef gehen mussten. Willkommen in der Bakschischrepublik Deutschland: Hier ein Pöstchen, dort ein Milliönchen. Und die Bürger reiben sich die Augen.

Was haben Infineon und VW gemeinsam?

Bei VW geht es um zwei Vorwürfe: Zum einen sollen Topmanager über ein von Tschechien bis Indien reichendes Netz von Tarnfirmen Konzerngeld in die eigene Tasche gelenkt haben. Zum anderen soll Arbeitsdirektor Peter Hartz beim Umsorgen von Betriebsräten allzu viele Freiheiten eingeräumt haben. Bei Infineon scheint erwiesen, dass Vorstandsmitglied Zitzewitz unrechtmäßige Zahlungen annahm. Gemeinsam ist beiden Fällen, dass sie Dax-Konzerne betreffen, dass es um Wirtschaftskriminalität in den obersten Etagen geht und dass sie erst mit Verzögerung ihre explosive Wirkung entfalten. Brisant ist jeweils weniger der finanzielle Schaden als der Imageverlust, fallen die Skandale doch mitten in eine Debatte über gute Unternehmensführung, schlechte Kontrollen und gierige Manager.

Warum häufen sich die Skandale?

Mauscheleien kommen immer dann ans Licht, wenn sich ein Unternehmen im Umbruch befindet. Wenn neue Mitarbeiter kommen und alte gehen müssen. Wenn es Verlierer gibt.Das war bei VW so, wo Klaus-Joachim Gebauer, der Mann, der sich allzu sehr um die Bedürfnisse der Betriebsräte gekümmert haben soll, erst den Job verlor und dann auspackte. Und das ist bei Infineon nicht anders, wo mitten in einem Machtkampf im Vorstand Vorwürfe erhoben wurden. Allerdings ist auch der Aufklärungsdruck von außen stärker geworden: Neue Investoren drängen ins Land, die Hinterzimmer-Absprachen der alten Deutschland AG funktionieren nicht mehr. Dazu kommt die Debatte über eine strengere persönliche Haftung der Topmanager, so wie es sie in den USA schon gibt. Zwar hat die Bundesregierung die Entscheidung darüber vertagt. Aber "womöglich werden jetzt einige Leute nervöser, was ihre Haftung betrifft", sagt Manuel Theisen, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität München. Im Klartext: Das Land ist nicht zwingend korrupter geworden – es kommt nur mehr ans Licht.