ZEIT: Angeblich ist die rot-grüne Regierung auch am Handwerk gescheitert. Wie lange braucht eine neue Mannschaft, um das Regieren zu lernen?

Lambsdorff: Zum Glück brauchen Regierungen bei uns nicht so lange wie in Amerika, um in Tritt zu kommen, aber ein halbes Jahr muss man schon einberechnen. Doch ich weigere mich, die Formel zu akzeptieren: Was schnell gemacht werden muss, kann nicht sorgfältig und richtig gemacht werden. Die FDP hat einen Entwurf eines Einkommensteuergesetzes vorgelegt, der einfach ist und kurzfristig umgesetzt werden kann.

ZEIT: Beim Fliegen sind Start und Landung am heikelsten, in der Politik manchmal auch. Was ist das Schwierigste bei einem Regierungsstart?

Lambsdorff: Entscheidend ist das Personal. Ich meine nicht die Minister. Deren Posten soll man nach der Wahl verteilen. Aber jede künftige Regierung muss jetzt schon sehr genau prüfen, wie in den letzten Jahren in den Ministerien Seilschaften aufgebaut und Strukturen zurechtgezimmert worden sind, die jedem politischen Änderungsansatz Widerstand entgegensetzen könnten.

ZEIT: Werden die Ministerialbeamten unterschätzt?

Lambsdorff: Fragen Sie doch mal nach, wer in der Regierung etwas von der Tabaksteuer versteht! Nur der Referent im Finanzministerium. Und auf den hat man bei der jüngsten Erhöhung nicht gehört. Die Tabaksteuer stieg, der Schmuggel hat zugenommen, und die Einnahmen gehen zurück. So wird Steuerpolitik ad absurdum geführt.

ZEIT: Sollen Ressorts anders zugeschnitten werden – etwa das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit?