Lambsdorff: Ich halte es für richtig, dass Wirtschaft und Arbeit in einem Haus angesiedelt sind. Die Denkweise der Mitarbeiter aus dem alten Sozial- und dem Wirtschaftsministerium ist allerdings so unterschiedlich, dass mir immer klar war, dass eine vernünftige Zusammenarbeit nicht in einer Legislaturperiode zu schaffen ist. Aber wer jetzt die Umkehr will, macht einen Fehler.

ZEIT: Können Sie sich vorstellen, dass im Falle eines Regierungswechsels ein FDP-Wirtschaftsminister den Arbeitsmarkt reformiert?

Lambsdorff: Ich werde Ihnen keine Namen nennen. Nur so viel: Für die FDP war es immer richtig, jeweils eines der folgenden zwei Ministerien zu besetzen: Kanzleramt oder Außenministerium, Innen oder Justiz, Wirtschaft oder Finanzen. Daran sollten wir festhalten.

ZEIT: Muss der FDP-Vorsitzende ins Kabinett?

Lambsdorff: Nein. Er kann im Kabinett sein. Ich war es als FDP-Vorsitzender nicht.

ZEIT: Früher hat sich die FDP als Korrektiv der Volksparteien verstanden, inzwischen sind alle Parteien in der Wirtschaftspolitik in ihre Richtung gerückt. Was korrigieren die Liberalen noch?

Lambsdorff: Dieser Beschreibung kann ich nicht so ganz folgen. Mir scheint es sich bei der SPD eher um eine Kurvenbewegung zu handeln. Gerade hat die SPD die Verlängerung der Bezugszeit des Arbeitslosengeldes beschlossen und damit den gleichen Fehler wie früher schon Norbert Blüm gemacht: Man sieht, dass die Menschen keine Beschäftigung finden, will ihnen helfen. Wie sieht die Hilfe aus? Man zahlt länger Arbeitslosengeld und züchtet damit mehr Langzeitarbeitslosigkeit. Das zu sagen ist hart – aber so ist der Mensch. Wir haben das bei Blüm damals leider mitgemacht.