Lambsdorff: Das stimmt, aber der Druck der Probleme ist erheblich größer geworden. Das sehen die Menschen, das wissen sie auch. Wie viel Einfluss die FDP nehmen kann, hängt vom Wahlergebnis ab. Den meisten Einfluss hat man immer, bis der Kanzler gewählt ist. Das ist der erste Zeitpunkt, zu dem jeder kleine Koalitionspartner stark ist. Der zweite Zeitpunkt ist die Verabschiedung des Haushalts. Das sind Gelegenheiten, bei denen man sich notfalls quer legen muss.

ZEIT: Wie ungebrochen ist eigentlich Ihr eigenes Verhältnis zum Liberalismus? Sie lassen sich am liebsten vor einem Gemälde von Bismarck abbilden – dem Mann, der den Sozialstaat ausgebaut und die Liberalen gespalten hat.

Lambsdorff: Ich kenne kaum eine faszinierendere historische Gestalt als Bismarck – wegen seiner Außenpolitik, wegen seiner Sprachgewalt. Wie er mit den Liberalen umgesprungen ist, macht ihn nicht gerade zur Idealfigur. Aber Sie tun der FDP Unrecht, wenn Sie ihr meine Bismarck-Begeisterung anlasten. Das geht zu weit.

Das Gespräch führten Tina Hildebrandt und Elisabeth Niejahr