Drei Explosionen in der U-Bahn um halb zwei Uhr Mittags, eine Stunde danach die Explosion auf dem Obergeschoss eines Busses im Londoner Eastend –Parallelen zu den Terrorattacken des 7. Juli, die das Leben von 56 Menschen kosteten, sind nicht zu übersehen. Es scheint allerdings so zu sein, dass die Täter absichtsvoll darauf verzichtet hatten, ein Blutbad anzurichten, und dass sie es lediglich darauf anlegten, mit "kleineren Explosionen", wie Scotland Yard formulierte, Angst und Schrecken zu verbreiten. Also eben das zu tun, was die Absicht von Terroristen ist: Die Bevölkerung einzuschüchtern.Sollte sich diese Deutung als zutreffend erweisen, wäre das eine neue Variante. Bislang hatten es Terroristen aus dem fanatisierten islamischen Milieu stets darauf angelegt, möglichst viele Menschen zu töten. Womöglich war diesmal ihre Absicht vorrangig, eine Demonstration der Schlagkraft zu liefern. Also zu zeigen, dass sie willens und fähig sind, zuzuschlagen wann und wo sie wollen, ungeachtet der intensivierten Fahndung und der verschärften Sicherheitsvorkehrungen.In den vergangenen beiden Wochen waren überall in Londoner U-Bahn- und Eisenbahnstationen Polizeistreifen mit Schnüffelhunden im Einsatz, um Gepäckstücke auf Sprengstoff hin zu überprüfen. Die Bevölkerung achtet auf verdächtige Gepäckstücke und Personen. Und trotzdem kamen wieder die Attentäter durch.Alles deutet daraufhin, dass die Täter aus dem gleichen Umfeld stammen wie die Massenmörder des 7. Juli. Zumal aus Polizeikreisen zu hören ist, dass für die Explosionen das gleiche Material wie für die damaligen Anschläge verwendet worden sei. Mehrere Augenzeugen berichteten darüberhinaus, sie hätten kurz nach einer Explosion einen "jungen Mann asiatischer Herkunft" gesehen, der aus der U-Bahn-Station Warren Street geflüchtet sei, verfolgt von einigen Passagieren des Zuges, in dem einer einer der Sprengsätze explodiert war. Die Polizei hatte sofort ein nahegelegenes Krankenhaus umstellt und durchsucht. Ein Verdächtiger wurde festgenommen, ein anderer Mann im Regierungsviertel Whitehall vor dem Verteidigungsministerium verhaftet.Das Verkehrsnetz der britischen Hauptstadt wurde durch die Ereignisse lahmgelegt. Stationen wurden geräumt, einige U-Bahn-Linien suspendiert. Andere Linien haben den Verkehr eingestellt, weil sich Fahrer weigerten, den Dienst wieder aufzunehmen. Nun, einige Stunden später, kehrt London wieder langsam zur Normalität zurück.Aber die Furcht vor weiteren Anschlägen, die seit dem 7, Juli trotz aller Bravour zu spüren war, wird nicht so schnell schwinden. Man ist sich der Verwundbarkeit einer Großstadt mit ihren vielen "weichen Zielen", wie es im Jargon schrecklicherweise heißt, schmerzlich bewusst geworden.