Bei den neuen Anschlägen gab es  glücklicherweise keine Toten und nur eine leicht verletzte Person. Dabei hatten die Täter offenkundig eine Wiederholung des Ablaufes vom 7. Juli geplant. Auch diesmal sollten die Bomben töten, sagt die Polizei, nachdem es zunächst danach ausgesehen hatte, als hätten die Täter es lediglich darauf angelegt, mit kleineren Explosionen psychologische Wirkung zu erzielen.

Nun muss vermutet werden, dass der britischen Metropole nur durch eine äußerst glückliche Kombination von Umständen ein zweites Blutbad erspart geblieben ist. In allen vier Fällen sind lediglich die Zünder explodiert, nicht die eigentlichen Sprengsätze. Darauf deuten auch die Aussagen eines Augenzeugen hin: In der U-Bahn habe es einen Knall gegeben, Panik sei ausgebrochen, die Passagiere hätten sich in das andere Ende des Waggons geflüchtet. Vor sich auf dem Boden habe er einen jungen Mann gesehen, auf dem Rücken liegend, die Hände gefaltet, die Augen geschlossen; aus seinem Rucksack sei eine "eigentümliche Substanz" gequollen. Nach kurzer Zeit sei der etwa 19jährige aufgestanden, habe die Tür geöffnet und sei über die Gleise in Richtung U-Bahnstation verschwunden.

Von den Sprengsätzen, die nicht explodierten, erhoffen sich die Fahnder jetzt Aufschlüsse auf Herkunft des Materials und Hintermänner. Aus Polizeikreisen ist zu hören, für die Explosionen seien die gleichen Substanzen wie für die Anschläge am 7. Juli verwendet worden. Alles spricht dafür, dass die Täter auch diesmal aus dem islamistischen Milieu kamen: Junge Muslime, fanatisiert, von tiefem Hass auf den Westen und das Land erfüllt, in dem sie geboren wurden.

Wie sehr man auch die Sicherheitsmaßnahmen verschärfen wird: Großbritannien muss mit weiteren Anschlägen rechnen. Trotz höchster Sicherheitsstufe und zusätzlicher Polizeikontrollen in der U-Bahn konnten die vier Bomber am Donnerstag ihre Tat verüben, die nur wegen technischer Mängel der Sprengsätze ohne verheerende Folgen blieb. Die Furcht vor weiteren Anschlägen wird so schnell nicht schwinden. Offene Gesellschaften bieten Terroristen unendlich viele "weiche Ziele", wie es im Geheimdienstjargon heißt.