Bei den beiden mutmaßlichen Terroristen handelt es sich nach Polizeiangaben um Muktar Said Ibrahim alias Muktar Mohammed Said und Yasin Hassan Omar. Zur Herkunft der beiden machte die Polizei keine Angaben. Eine Wohnung in Nordlondon, die der 27-jährige Ibrahim kürzlich aufgesucht hatte, wurde am Montag von bewaffneten Polizisten durchsucht. Der Chef der Antiterroreinheit von Scotland Yard, Peter Clarke, bestätigte außerdem, dass die Polizei in einem Londoner Park noch eine fünfte Bombe gleichen Typs gefunden habe.

Alle Bomben hätten sich in durchsichtigen Plastiktonnen befunden. Clarke zeigte eine solche in Indien hergestellte Tonne während einer Pressekonferenz und bat die Bevölkerung um ihre Mithilfe. Die Bomben der Täter hatten alle nicht gezündet. Scotland Yard veröffentlichte außerdem neue Bilder von den verhinderten Selbstmordattentätern.

Nach Informationen des BBC -Fernsehens hat die Polizeieinheit, die die Anschläge untersucht, am Montag zwei weitere Männer festgenommen. Drei waren bereits in Haft. Bei ihnen handelt es sich jedoch nicht um die Rucksackbomber. Die Polizei vermutet sie weiter in Großbritannien und befürchtet, dass sie wieder zuschlagen könnten. Der Scotland-Yard-Chef Sir Ian Blair sprach von einem "Wettlauf gegen die Zeit". Gesundheitsministerin Patricia Hewitt sagte, die Briten lebten nun in einem "permanenten Terrorzustand". Nach Informationen der Times schickte die Polizei noch mehr Scharfschützen in Zivil auf die Straße.

Laut einer veröffentlichten Umfrage im Auftrag der Zeitung Daily Mirror glauben 85 Prozent der Briten, dass die Beteiligung ihres Landes am Irakkrieg eine der Ursachen für die Terroranschläge ist. Premierminister Tony Blair bestritt dies am Montag erneut. Mit dem französischen Premierminister Dominique de Villepin vereinbarte er den Austausch von Informationen zu islamischen Hasspredigern.

Darüber hinaus nahm Tony Blair am Montag erstmals zu der Erschießung des 27-jährigen Brasilianer Jean Charles de Menezes Stellung. "Wir sind alle tieftraurig über den Tod dieses unschuldigen Menschen", sagte er. Er könne die Wut der Angehörigen nur zu gut verstehen. Gleichzeitig warb er um Verständnis für die Polizei, die "zurzeit unter sehr schwierigen Umständen" arbeite.

Jedoch müssen sich die britischen Behörden unbequemen Fragen stellen: Warum griff sie nicht früher ein, etwa in dem Augenblick, in dem der Brasilianer einen Bus bestieg? Gaben sich die Beamten in Zivil in der U-Bahnstation Stockwell klar und unmissverständlich als Polizisten zu erkennen? Scotland Yard bejaht das. Das Recht, im Falle "dringender, ernsthafter Gefahr" einen potenziellen Selbstmordbomber durch einen gezielten Kopfschuss zu töten, erhielt die Polizei in 2003 durch entsprechend abgeänderte Richtlinien, die der neuen Bedrohung durch Suizidterroristen Rechnung trugen. Andere Fragen harren ebenfalls einer Antwort: Warum wählte der 27-Jährige die wilde Flucht, sprang über Ticketbarrieren und raste die Rolltreppe runter, nachdem die Polizei ihn aufgefordert hatte, stehen zu bleiben? Eine mögliche Antwort liefert der Hinweis der Behörden, wonach sich der junge Brasilianer illegal im Land aufgehalten habe. Er war mit einem Studentenvisum ins Land gekommen, das bereits 2003 abgelaufen war. Nach Angaben seiner Familie hat er seither als Elektriker gearbeitet. Seine Angehörigen wollen die Polizei verklagen.