Das Ehepaar Thiesen lebt in Hamburg, aber für Amrum. Er ist bei der Baubehörde, sie auf der Bank. In den Ferien ziehen sie sich aus und organisieren das einfache Leben.

"Wir haben uns 1981 kennen gelernt, jeder nach beendeter Ehe, und wollten irgendwie Urlaub machen", erzählt Herr Thiesen. "Freunde gaben uns den Tipp: Ihr müsst auf diesen Zeltplatz fahren. Meine Frau war durch ihre Eltern Mitglied in einem FKK-Verein, und für mich war das eigentlich kein Problem. Aber als ich den ersten Tag da war, hab ich mich schon gefragt: Wo bist du hier denn hingeraten, nackt mit so vielen Leuten?"

"Hier wird niemand gezwungen", sagt Frau Thiesen, "auch wenn einige Leute vom FKK-Verein meinen, man müsse immer nackt sein, egal, was man tut, ob nun beim Geschirrspülen oder beim Grillen. Und wenn jemand permanent Bikini oder Badehose trägt, dann ist das in der Tat störend. Aber T-Shirts und Shorts sind schon in Ordnung."

"Uns hat es so gut gefallen, dass wir jedes Jahr wiedergekommen sind", sagt Herr Thiesen. "Erst haben wir bei der Verwaltung geholfen, dann haben wir sie übernommen. Wir verdienen nichts damit, es ist alles ehrenamtlich."

"Alle Gäste, die länger als eine Woche da sind, müssen mitputzen", sagt Frau Thiesen, "also die Toiletten, die Waschräume. Das gibt gleich eine andere Einstellung, deswegen ist es so sauber bei uns."

"Es liegt auch kein Eispapier herum", sagt Herr Thiesen. "Wir haben nämlich keinen Kiosk. Bäcker Claussen aus Nebel kommt morgens mit dem Brötchenwagen, ansonsten gibt es nichts Kommerzielles hier. Es gibt auch keine Autos und keine Wohnmobile auf dem Platz, nur frische Luft, Sand und Wasser. Die Zelte stehen in den Dünentälern. Es ist ein Leben in Harmonie mit der Natur."

"Wir möchten", sagt Frau Thiesen, "dass die Menschen es nett haben mit wenig. Die Gemeinschaft ist uns wichtig. Als Verwalter benutzen wir die gleichen Duschen wie alle anderen, und wenn der Bäcker kommt, stelle ich mich in die Schlange."