Alles nicht ganz einfach diesen Sommer. Jetzt auch noch diese Spritpreise, da rasseln die Euros den Leuten nur so aus dem Portemonnaie. "Für das gleiche Geld fahren sie lieber nach Malle", sagt Victor Krohn und spricht aus, was Küstenliebhaber schon seit Jahren beklagen: Urlaub an der Ostsee? Leider teuer.

Die Krohns, Gesche und Victor, glauben dennoch an die Anziehungskraft guter Gastlichkeit. Vier Sterne hat ihre Stranddistel in der Katharinenstraße in Göhren. Nach vorn raus liegt die Ostsee zum Greifen nah, im Rücken Rügen – viel Grün und Ruhe. Die Aussicht vom Göhrener Hügel ist gut.

Das Auswahlverfahren war lang und zäh, in dem die Krohns der Treuhand die alte, gammlige Villa nach der Wende abtrotzten, deren Geschichte sich liest wie die vieler anderer Häuser im Osten Deutschlands. Als Pension am Anfang des 20. Jahrhunderts gestartet, war die Stranddistel Mitte der vierziger Jahre unter anderem Bettstatt für Hans Albers, nach 1945 sozialistischer Kindergarten und Betriebsferienheim des Montagebaukombinats Grimma. "Ein hässlicher grauer Kasten", erinnert sich Gesche Krohn. Der Zauber seiner Anfänge war abhanden gekommen, es fehlten ihm alle Accessoires. Kein Stuck, kein Nichts – auch weil in der DDR alles Schnörkelige als Insigne des Bürgertums verpönt war.

Bei der Sanierung haben Krohns selbst mit angepackt. "Der Ossi ist das Selbermachen ja gewohnt", sagt Victor Krohn. Es kamen wieder ein Dach auf die Stranddistel und Balkone an die Vorderfront – zur Eröffnung erstrahlte die Villa im Stil und Weiß alter Badeorte. Zehn Jahre ist das her. Und bis heute kommen Leute, die noch nie im Osten waren und staunen. Über Rügen, aber auch über den Schwung der Krohns.

Ihre gemeinsame Geschichte begann vor knapp 40 Jahren. Sie war 17, hatte rote Haare und fuhr schnittig Motorrad, er war 15 und hin und weg von ihr. Sie studierte Sport und Geografie, er Maschinenbau. Doch schon in DDR-Tagen waren sie in die Gastronomie gegangen, die ihnen einträglicher, abwechslungsreicher und unabhängiger erschien – die eine Chance für Eigenes, Individuelles bot.

Heute hat sie ein Cabrio, er eine kleine Yacht. Wer immer will, wird von ihnen gegen einen kleinen Obolus herumgefahren. Ins klassizistische Putbus oder zur Insel Vilm, wo Honecker urlaubte. Allerdings: sich an den Tresen hocken und Storys zum Besten geben, damit die Gäste auch noch abends Entertainment haben, das ist für Victor Krohn dann doch nichts. "Und den Pinguin mache ich auch nicht", sagt er. In steifem Zwirn herumspazieren und schön tun? Nicht sein Ding. Seine Frau hat deshalb manchmal ein Problem, nämlich dann, wenn sie "den Typ im Blaumann, der da am Hotel herumbastelt", als "den Chef des Hauses vorstellen muss".

Hotel Stranddistel, Katharinenstraße 9, 18586 Ostseebad Göhren, Tel. 038308/54 50, Fax 545 55, DZ ab 78 Euro