Herr Kreibohm, Sie sind ja ein Held! Vor ein paar Wochen haben sie einen Tornado auf Hiddensee gefilmt, und der war dann glatt im Wetterbericht der "Tagesthemen".

Ja, das war ein Ding, ein absoluter Traum. Es war Sonntagabend nach dem Tatort, ich war in der Wetterstation, wollte noch schnell dieses sensationelle Abendrot fotografieren, das auf unserer Leuchtturmkamera zu sehen war, und entdeckte beim ersten Anschauen vor Ort den Trichter der Windhose, der da aus den Wolken hing. Vertikale Ausdehnung vielleicht 1,5 Kilometer. Die drei Urlauber, die auch noch auf der Aussichtsplattform standen, dachten bestimmt: Was ist denn das für ein Irrer? Rennt hier wie angestochen durch die Gegend und faselt immer: Das muss in die Tagesthemen!

Sie sind Angestellter der Meteomedia AG, Jörg Kachelmann ist Ihr Chef und die Wetterstation auf Hiddensee der nördlichste Vorposten der Firma. Wie müssen wir uns das vorstellen?

Einsam auf keinen Fall. Man kennt mich ja dort als Wetterfrosch. Die Station ist winzig, ein Arbeits- und ein Schlafzimmer in einem ehemaligen Ferienbungalow. Da habe ich meine Messgeräte und Wetterkarten und eine Pritsche. Es gibt Tage, da stehen die Leute mit platt gedrückten Nasen an meinem Bürofenster, das ist dann schon grenzwertig. Und obwohl mir mein Job sehr viel Spaß macht, bin ich am Saisonende doch froh, dass ich dann nicht mehr fünfmal am Tag sagen muss, dass ich nicht Herr Kachelmann bin.

Werden Sie fürs Wetter oft verantwortlich gemacht?

Natürlich heißt es immer wieder über den Zaun: "Ah, da haben wir ja den Schuldigen!" Das ist zwar Spaß, aber Sprüche gibt es jeden Tag.

Wie sind Sie Wetterfrosch geworden?