Die Nachrichtenlage – eine Sensation: Die Union, einst bei 50 Prozent, ist auf 42 gefallen, Schwarz-Gelb schafft gerade mal 50 Prozent. Rosa-Rot-Grün kommt auf 47 Prozent. Knapp die Hälfte der Wähler ist noch unentschlossen. Folglich ist alles möglich, doch wird alles garantiert gut.

Rosa-Rot-Grün: Noch drei Punkte mehr, und wir haben eine Rotfront-Regierung, wiewohl grün marmoriert. Schröder will nicht mit Lafontaine im Kabinett sitzen und wird Aufsichtsratschef bei VW; nebenher arbeitet er an Hartz IV, das in Gerd V–XII umbenannt wird. Dies erlaubt es Oskar L., wieder in die SPD einzutreten, wo er Müntefering wegschubst und Kanzler wird. Sein Vize und Außenminister ist Gysi, der – um alle Zweifel an seiner Westbindung zu ersticken – sofort ein deutsches Truppenkontingent für den Irak anbietet. Im Gegenzug gewährt ihm George W. einen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Ein Coup, den Fischer nie landen konnte. Der wird "Sicherheitsminister" und sorgt nun dafür, dass kein Ukrainer mehr ins Rotlicht-Milieu einsickert. Dafür wird das Innenministerium verkleinert. Hauptaufgaben sind: Einhaltung der StVO und Verwaltung der Nationalparks.

Die neuen Länder werden zur "Sonderwirtschaftszone", freilich nicht im Sinne Helmut Schmidts, der für die Ex-DDR die Befreiung von rund 80000 Regulierungen gefordert hat. Wiederbelebt werden die Volkseigenen Betriebe, und zwar mit einer Mitbestimmung, die Ländern und Gewerkschaften eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Aufsichtsrat einräumt. Die Grenzen zu Westdeutschland und zur EU werden geschlossen, die gesamte ostdeutsche Nachfrage wird auf den Binnenmarkt gelenkt. Die Folge: Alle geraten in Lohn und Brot, die Arbeitslosigkeit fällt auf österreichische vier Prozent. Neoliberale Ökonomen, die vor Kostenexplosion und Subventionsruinen warnen, werden mit der Parole kaltgestellt: "Wer soll denn die Autos und MP3-Player von Robotron kaufen, wenn die Arbeiter kein Geld in der Tasche haben?"

Schwarz-Gelb: Merkel erlebt im Wahlkampf einen Charisma-, Westerwelle einen Gravitas-Schub; zusammen schaffen sie die absolute Mehrheit. Als Preis für die Regierungsbildung muss Merkel die Parteifreunde Koch, Stoiber und Wulff ins Kabinett holen. Das erweist sich als raffiniertester Schachzug seit der Entmachtung von Kohl und Schäuble, liegen doch nun alle Rivalen an der Kette der Kabinettsdisziplin.

Der Weg ist frei zum "Durchregieren". Merkel entpuppt sich tatsächlich als Margaret Thatchers Schwester im Geiste. Sie schafft 80000 Regulierungen zusammen mit der Mitbestimmung ab, knackt die Arbeitsmarkt-Kartelle und übernimmt die Bierdeckel-Steuererklärung von Merz. Nach 16 Monaten wird sie von einer rosa-rot-grünen Fronde mit der Hilfe abtrünniger Links-Christen gestürzt; der neue Kanzler heißt Seehofer. Bloß ist nach kurzer Radikal-Reform schon die Arbeitslosigkeit sichtbar gefallen; also werden die neuen Gesetze im Kern nicht zurückgenommen. Deutschland erblüht, wird wieder Nr. 1 in Europa und bekommt den Sitz im Sicherheitsrat.