Weil vor allem Polen schwächelt, hat sich das bisher robuste Wirtschaftswachstum der Staaten Ost- und Mitteleuropas seit Anfang des Jahres deutlich verringert. Im Durchschnitt der acht östlichen neuen EU-Mitglieder wurde in den ersten fünf Monaten 2005 ein Zuwachs von nur noch 3,3 Prozent verzeichnet - im gleichen Vorjahreszeitraum waren es dagegen 5,9 Prozent, schreibt das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche in einer Analyse. Verantwortlich für das nachlassende Wachstum seien rasant zurückgehende Zuwächse der Industrieproduktion und eine ausgesprochen schwache Verbesserung der Arbeitsproduktivität im verarbeitenden Gewerbe.

Dazu kämen sehr geringe Investitionen und ein durch aufwertende Währungen verursachter Anstieg der Lohnstückkosten.

Auch wenn das Wachstum in den Staaten Ost- und Mitteleuropas in diesem und im nächsten Jahr im Durchschnitt unter vier Prozent liegen dürfte, bleibe die Wachstumsdynamik in den neuen Mitgliedländern insgesamt hoch, sagt Peter Havlik, einer der Autoren der Studie. Dies gelte besonders für die Länder des Baltikums und für die Slowakei, wo Auslandsinvestitionen, Wirtschaftsreformen und eine wieder anziehende Binnennachfrage sogar für ein höheres Wachstum als 2004 gesorgt hätten. Polen, das größte Land unter den Neuen in der EU, leide dagegen besonders unter der schwachen Investitionstätigkeit. Hier werden hohe und weiter steigende Unternehmensgewinne offensichtlich vor allem in profitable Anlagen am Finanzmarkt gesteckt, sagt Havlik.