In Deutschland ist es derzeit das umsatzstärkste Medikament, in den Vereinigten Staaten wird es mit 120 Todesfällen in Verbindung gebracht. Nachdem auf Intervention der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA jüngst bereits die Rheuma-Schmerzmittel Vioxx (hergestellt von MSD) und Bextra (von Pfizer) weltweit vom Markt genommen wurden, ist jetzt auch das Schmerzmittel Durogesic ins Gerede gekommen. Bei Durogesic handelt es sich um ein so genanntes Opioid-Pflaster, das seinen Wirkstoff über die Haut abgibt. Es wird vor allem bei Krebs im Endstadium, aber auch bei Rheuma verschrieben.

Die FDA hat angekündigt, dass sie sich mit dem Produkt des Herstellers Janssen Cilag befassen wird. Vor kurzem waren bereits die Warnhinweise für das Pflaster verschärft worden. Experten rechnen nicht damit, dass Durogesic verboten wird - schließlich sei das Medikament seit Jahrzehnten erprobt und schon so lange auf dem Markt, dass es in Amerika bereits die ersten Nachahmerprodukte gibt. Das Pflaster sei wichtig für Schwerkranke, die schlecht schlucken könnten, urteilt etwa Gerd Glaeske, ein Pharmazeut an der Uni Bremen und Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung des Gesundheitswesens. Allerdings verordneten es viele Ärzte, ohne zuvor niedrigere Dosierungen getestet zu haben. Nur bei einem Drittel der Verordnungen sind die Voraussetzungen dafür erfüllt, sagt Glaeske.

Dem Hersteller jedenfalls hat sein Produkt bisher gute Geschäfte beschert, nicht zuletzt in Deutschland. Da es auf dem Schmerzmittelmarkt immer weniger Wettbewerb gibt und das Pflaster hierzulande noch ohne Generika-Konkurrenz und damit entsprechend teuer ist, konnte es mit einem Jahresumsatz von rund 250 Millionen Dollar sogar zum Umsatzbringer Nummer eins in deutschen Apotheken aufrücken. Damit allerdings dürfte nun bald Schluss sein.