Die Verkündung der neuen Pisa-Ergebnisse in der vergangenen Woche wurde von einer unübersichtlichen Debatte darüber begleitet, ob die Studie überhaupt etwas aussagt, wenn ja, was sie aussagt und welche Schlüsse man daraus ziehen sollte. Hier eine kleine Orientierungshilfe.

1. Gab es nicht erst vor einem halben Jahr eine neue Pisa-Studie?

Das war die internationale Studie. Diesmal ging es um den innerdeutschen Vergleich. Für die internationale Untersuchung von Pisa (Programme for International Student Assessment) werden im Dreijahresrhythmus (2000, 2003, 2006) 15-jährige Schüler aus derzeit 41 Ländern getestet. Deutschland ist besonders gründlich; im Auftrag der Kultusministerkonferenz untersuchen Bildungsforscher in jeder Runde zusätzlich, wie gut die Schüler der einzelnen Bundesländer abschneiden ("PisaE", E für "Erweiterung").

Pisa 2000 löste bei der Veröffentlichung im Dezember 2001 in Deutschland den so genannten Pisa-Schock aus: Die Leistungen der hiesigen Schüler sind im internationalen Vergleich nur unteres Mittelmaß, sie sind sehr stark an die soziale Herkunft der Schüler gekoppelt, und hierzulande ist die "Risikogruppe" besonders groß – fast ein Viertel der Schüler genügt den Mindestanforderungen im Lesen und Rechnen nicht. Pisa E 2000 offenbarte dann das innerdeutsche Leistungsgefälle (Bayern oben, Bremen unten). Pisa 2003, veröffentlicht im Dezember 2004, zeigte eine leichte Verbesserung der deutschen Leistungen im internationalen Vergleich. Und Pisa 2003 E macht nun den Anteil der einzelnen Bundesländer an dieser Verbesserung sichtbar.

2. Sind die Pisa-Ergebnisse wirklich so wichtig?

Ja. Sie zeigen, wie gut die Schüler grundlegende Kulturtechniken beherrschen, die im Leben gebraucht werden. Getestet werden die Lesefähigkeit, das Verständnis von Mathematik und den Naturwissenschaften sowie die Fähigkeit zum Lösen fächerübergreifender Probleme. Natürlich muss die Schule mehr vermitteln, aber wer über diese Basiskompetenzen nicht verfügt, wird es in Beruf, Familie und Gesellschaft schwer haben.

Ins Leben gerufen wurde die Pisa-Studie von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), einer Denkfabrik von 30 Industrieländern. Als Wirtschaftsorganisation interessiert sie der Blick auf das Humankapital von morgen. Aber kein konservativer Bildungsbürger oder linker Gesellschaftsreformer dürfte die Bedeutung der getesteten Kompetenzen in Abrede stellen. Zusätzlich untersucht Pisa das schulische, familiäre und soziale Umfeld sowie das Lernverhalten der Schüler, um Hinweise für bessere Lernbedingungen zu bekommen. Pisa betreibt aber keine Ursachenforschung. Die muss beispielsweise durch Studien zum Unterricht oder zur Lernentwicklung von Schülern geleistet werden.

3. Sind die Schüler tatsächlich besser geworden?