Beliebt ist er nicht gerade bei den Vorstandskollegen der anderen deutschen Autohersteller. Mal stänkert er gegen deren geliebte High-Tech-Diesel, mal prangert er Subventionen für neue Autofabriken an. Obendrein demonstriert er seit zehn Jahren, dass man als deutscher Autohersteller Gewinne einfahren kann – und jedes Jahr sogar mehr davon.

Jetzt will Porsche-Chef Wendelin Wiedeking die Herren erneut ärgern: Ein viertüriges Sport-Coupé soll kaufkräftiges Publikum anlocken, das Platz für vier Personen will, aber keinen Geländewagen mag. Bisher musste sich so jemand bei Mercedes, BMW, Audi oder Jaguar umsehen.

"Scharf und knuffig" sei das neue Auto, sagt Wiedeking. Nach dem traditionsreichen 911er, dem Boxster-Roadster und dem Geländewagen Cayenne wäre der neue Panamera die "vierte Baureihe" der Schwaben. Vor wenigen Tagen durften die sechs Aufsichtsräte der Kapitalseite erstmals das streng gehütete Tonmodell in Originalgröße im Porsche Entwicklungszentrum Weissach besichtigen. Deren Meinung ist für den Vorstand besonders wichtig. Vier Aufsichtsräte der Kapitalseite sind Nachfahren des Unternehmensgründers Ferdinand Porsche. Sie vertreten die Familienstämme der Porsches und Piëchs, die bis heute hundert Prozent der stimmberechtigten Stammaktien des Unternehmens besitzen. Ferdinand Piëch – zugleich Aufsichtsratschef von VW – ist nicht der Einzige unter ihnen, der sich als ausgewiesener Autoexperte versteht.

Es geht schließlich um viel Geld – ihr Geld. Mindestens eine Milliarde Euro Investitionen wird der Aufsichtsrat wohl auf seiner nächsten regulären Tagung am 27. Juli für das Modell Panamera freigeben müssen. Doch die Porsche-Nachfahren und die beiden nicht aus der Familie stammenden Kapital-Aufsichtsräte, der Vorsitzende Helmut Sihler, früher Chef des Düsseldorfer Henkel-Konzerns, und der Stuttgarter Bankier Walther Zügel, werden weiter auf die Fortune des kantigen 52-jährigen Westfalen Wiedeking setzen.

Die Arbeitnehmer sind ohnehin dafür. Schließlich hat der studierte Maschinenbauer Wiedeking, der Ende 1992 an die Spitze des Vorstands rückte, aus der vom Bankrott bedrohten Sportwagenschmiede ein Vorzeigeunternehmen gemacht: Im am 31. Juli auslaufenden Geschäftsjahr 2004/2005 "werden wir mit über 80.000 verkauften Fahrzeugen wieder eine Rekordmarke setzen", sagt Wiedeking. Als er das Ruder in Zuffenhausen übernahm, waren es nicht einmal 15000. Und mit 17 Prozent Umsatzrendite distanzierten die Schwaben im vergangen Jahr wieder mal die gesamte Autobranche.

Zu Wiedekings Sanierungskonzept gehörte es, das Risiko bei neuen Modellen möglichst gering zu halten. So kann etwa der kleine Mittelmotorsportwagen Boxster sowohl im Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen – dort neben dem 911er – als auch beim Lohnproduzenten Valmet in Finnland montiert werden. Die Finnen bekommen jene Aufträge, die im Schwabenland nicht geschafft werden. So reagiert das Unternehmen flexibel auf Nachfrageschwankungen.

Noch risikoärmer läuft die Produktion des Geländewagens Cayenne ab. Wiedeking schaffte es, VW als Kooperationspartner zu gewinnen. Porsche entwickelte eine gemeinsame technische Plattform für den Porsche Cayenne und den VW Touareg, die Hälfte der Kosten dafür trugen die Wolfsburger. Das lackierte Blechkleid des Cayenne und ein guter Teil der Innenaustattung kommt aus dem VW-Werk Bratislava ("VW ist unser Auftragnehmer"). Nur die Endmontage – im Wesentlichen der Einsatz von Motor, Getriebe und Elektronik – findet im neuen Leipziger Porsche-Werk statt. So sparten sich die Schwaben dreistellige Millionen-Investitionen in Presswerk, Karosserierohbau und Lackiererei. Die Folge: Nur noch rund zehn Prozent der Wertschöpfung wird von Porsche selbst geleistet, den Rest erledigen Zulieferer und eben VW.

Der Panamera würde in Leipzig mindestens 350 neue Jobs bringen