Eigentlich hat die Affäre alles, was ein Skandal braucht.Die Staatsanwaltschaft spricht von Untreue und einem Verstoß gegen zwingende Haushaltsvorschriften.Sie ermittelt gegen Reinhard Hoffmann, den Chef der Bremer Senatskanzlei.Henning Scherf, SPD-Bürgermeister der großen Koalition, hat sich öffentlich hinter seinen Vertrauten gestellt - und auch das, möchte man meinen, befördert das Skandalöse.Denn Scherf ist als Justizsenator Dienstherr der Staatsanwaltschaft. Und seit vergangener Woche hat der Skandal sogar den Ruch des Mysteriösen: Die Akten, die das Rathaus der Staatsanwaltschaft überließ, waren unvollständig.Ein Versehen, heißt es im Rathaus - gerade wurde das Fehlende nachgeliefert. Dass die Bremer diese Vorfälle mit mäßigem Interesse zur Kenntnis nehmen, liegt vor allem an der Abstraktheit der Sache.Hoffmann hat sich ja nicht etwa selbst bereichert, sondern hat eine 500 000-Euro-Spende an die bremische Grass-Stiftung angewiesen, ohne das Parlament zu beteiligen. Gespendet werden musste das Geld ohnehin.Zwanzig Millionen Euro hatte der Energiekonzern E.on Bremen zukommen lassen, weil das Land ihn aus der Teilhabe an den Bremer Stadtwerken entließ und so die Fusion mit Ruhrgas ermöglichte.Fünfzehn Millionen davon waren für die International University Bremen bestimmt.Weitere fünf Millionen sollten besonderen Zwecken zukommen. Wahrscheinlich hätte in der Bürgerschaft kaum jemand etwas dagegen gehabt, eine halbe Million Euro für die Pflege eines Grass-Archivs auszugeben.Aber gefragt werden wollten die Abgeordneten schon. Die Grass-Affäre wirft ein Schlaglicht auf das System Scherf und den Zustand der großen Koalition.Reinhard Hoffmann sei, wie Scherf sagt, eine Schlüsselfigur in Bremen, ohne ihn hätte ich nie so viel erreicht.Seit zehn Jahren regiert das Gespann im Rathaus. 1990 wurde Scherf Bildungssenator und übernahm Hoffmann als Staatsrat von seinem Vorgänger.Damit begann eine Zusammenarbeit, die bisweilen symbiotische Züge annimmt. Hoffmann macht Politik, während der Bürgermeister für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Wir sind wie ein altes Ehepaar, sagt Scherf. Ohne viele Worte weiß der eine von dem anderen, wie er denkt. Vom Wesen her könnten die politischen Ehepartner im Rathaus nicht unterschiedlicher sein: Der 66-jährige Scherf ist der Strahlemann, der Oma-Knutscher, der Mann fürs Gefühlige und Spontane.Reinhard Hoffmann, knapp 69, von Altbürgermeister Hans Koschnick als Eisenfresser tituliert, ist introvertiert, kauzig, diskret und uneitel.Sein Fleiß ist legendär.Es gibt wohl kein relevantes Papier in Bremen, das nicht über seinen Schreibtisch geht und mit Anmerkungen versehen wird.Sein Arbeitsta g pflegte um sechs Uhr zu beginnen - bis seine Partnerin ihm mehr Zeit abgetrotzt hat. Seither sitzt Hoffmann um sieben am Schreibtisch. Seine Autorität ist unbestritten, auch beim Koalitionspartner.Kenner sagen, dass in Bremen nur zwei regieren, Hoffmann und CDU-Landeschef Bernd Neumann. Gerade das ist jenen Sozialdemokraten nicht geheuer, die eine rot-grüne Regierung herbeisehnen.Seit die Sticheleien gegen Scherf zunehmen, sinkt Hoffmanns Stern.Zumal da der Chef der Senatskanzlei - wie Scherf - die Bremische Bürgerschaft selten mit seiner Anwesenheit beehrt.In der Landesregierung, giftete ein SPD-Abgeordneter, werde das Parlament offenbar gelegentlich als störend für das Regieren empfunden.