Im Städtchen Straelen am Niederrhein steht ein Betonkomplex auf grüner Wiese. Im Großraumbüro im ersten Stock klingeln die Telefone wie bei einer Taxizentrale. "Wir können jetzt nicht die Pompadour schicken", erklärt der 41-jährige Verkaufsleiter Carlo Weber gerade einem Anrufer, "nicht mit 10000 Stielen! Ihr könnt die Karen nehmen. Ja, 35 Zentimeter die einen, 55 die anderen!" Der Straelener Blumenhandel gehört zu den führenden Lieferanten des Großhandels vom Hamburger Blumenmarkt bis nach Armenien. Viermal die Woche treffen Rosen aus Ecuador ein, 18 Millionen im Jahr. Aus den übrigen Exportländern kommen noch 52 Millionen hinzu. Um 10.30 Uhr ist an diesem Morgen in Amsterdam eine Frachtmaschine mit gut 70 Tonnen Blumen aus Ecuador gelandet. Vier Tonnen Rosen kommen um 18 Uhr in Straelen zur Aufbereitung an. Zehn Leute schneiden bis zum frühen Morgen 150000 Rosen an, binden sie neu, verpacken sie in Folie und stellen sie in die Plastikeimer mit der Nährlösung. Black Magic, Espérance und Freedom sind mit von der Partie.

Vom späten Nachmittag an treffen die Lastwagen aus Straelen und Holland, aus Vierlanden und Italien auf dem Hamburger Blumengroßmarkt ein. Um 2 Uhr früh beginnen die "Marktbeschicker" an 240 Ständen mit dem Verkauf an Floristen, Wochenmarkthändler, Gartencenter. Im Sommer stechen die Vierländer Rosen die große Konkurrenz von Übersee glatt aus. Im Marschland des Elbe-Urstromgebiets haben sich viele traditionelle Gemüsebauern auf Schnittblumen umgestellt – und damit einen ähnlichen Strukturwandel wie Kolumbien und Ecuador vollzogen. Die Black Magic triumphiert zu dieser Jahreszeit in ihrer zweiten Karriere als lokale Freilandrose über die von weit angereisten Espérance und Freedom.

Die deutsche Rosenproduktion ist dennoch durch den steigenden Ölpreis weiter in die Defensive geraten. Werner Buhk, einer der Blumengroßhändler auf Hamburgs Markt, sagt kurz und bündig: "Im Winter läuft hier nichts. Öl und Gaswerke sind zu teuer, afrikanische Rosen zu billig. Ohne Licht ist nichts zu machen!"

Mit dem Ende der Sommersaison werden in den besseren Blumenläden wieder die großköpfigen Rosen stehen, die das Licht das ganze Jahr über und zwölf Stunden täglich kostenlos von der Äquatorsonne beziehen. Von den wachsenden Anbauflächen vor allem in Afrika wird auch billige Ware in die Supermärkte, Ketten, Drogerien, Baumärkte, Tankstellen schwemmen. Wer fragt noch nach dem Land, in dem die Rosen blühen – mitten im Winter? "Fast niemand", sagt Nuri Özer, der seit 25 Jahren den exquisiten Blumenpavillon in Hamburg-Pöseldorf betreibt, und stellt zwei armvolle Bouquets Espérance in die Passage.

"Die Haltbarkeit allein interessiert und nicht die Herkunft."