Kein Zweifel mehr, die Bremer haben’s nicht nur in den Beinen, wie die neuerliche Qualifikation zur Champions League im Fußball ausweist, sondern auch im Kopf: Die Schachabteilung von Werder Bremen schlug im Stichkampf den hohen Favoriten SG Porz und wurde damit überraschend Deutscher Mannschaftsmeister im Schach. Da mag Bremen bei der Pisa-Studie auch das Schlusslicht im ohnehin nicht glänzenden Deutschland sein, seit Canettis Buch Die Blendung wissen wir: "Ein Mensch, was ka Schach spielt, ist ka Mensch. Im Schach sitzt die Intelligenz…" Das uralte "Königliche Spiel" ist das Maß aller Dinge, da lassen wir uns auch nicht von Raymond Chandler: "Schach ist die komplizierteste Vergeudung menschlicher Intelligenz außerhalb einer Werbeagentur" beirren.

Im Schach Magazin 64 beschreibt Martin Breutigam die besondere Atmosphäre dieses Matches in den Logen des Weserstadions, für das die Großmeisterin Almira Skripchenko, die als einzige Frau in der Männer-Bundesliga eben für Werder Bremen spielt, auf einem Plakat im orange-grünen Dress Fußball spielend warb und der frühere Fußballnationalspieler Marco Bode gleichzeitig Schach simultan spielte. "Guck mal, da spielt Marco!", machte Willi Lemke, Bremens Bildungssenator und Aufsichtsratsvorsitzender bei Werder, seinen Sohn aufmerksam. Und Marco Bode stellte auch noch launig die Bremer Spieler vor, unter anderem den 19-jährigen Ukrainer Zahar Efimenko, der seinerseits schon als Kind Bodes Fußballkünste bewunderte und an diesem Tag in einer fantastischen Partie den seit langem in Porz lebenden Armenier Rafael Waganjan, den "Mr. Bundesliga", schlagen sollte. Dabei war Efimenkos Mitwirken ursprünglich unklar. Als er erstmals in der deutschen Botschaft in Kiew – Joschka Fischer lässt grüßen – ein Visum beantragte, misstraute man seinen Angaben. In einem Nebenraum musste er gegen einen Botschaftsmitarbeiter Schach spielen; als er diesen schnell matt setzte, stand seiner Ausreise indes nichts mehr im Wege. In dubio pro libertate. Werder Bremen gewann zum guten Schluss knapp mit 4,5:3,5 Punkten.

Wichtig war hierbei, dass ihr Tscheche Vlastimil Babula als Schwarzer in bedrängter Lage mit einem Bauern weniger und einem eingeklemmten König am Brettrand just dessen eigentlich missliche Lage zu einer wundersamen Rettung gegen Alexander Beljawski ausnützte. Was zog er?

HELMUT PFLEGER

Auflösung aus Nr. 29:

Mit welch listiger Ablenkung drang Weiß entscheidend beim schwarzen König ein? Nach dem Läuferopfer 1.Lb5! konnte die schwarze Dame die Kontrolle über das Feld e6 nicht aufrechterhalten, die Opferannahme durch 1...Dxb5 verlöre sogar sofort wegen 2.Dxe7+ Kg8 3.Txg7 matt. Schwarz versuchte 1...Dc7 , war aber nach 2.De6+ Kf8 3.Txh8+ Lxh8 4.Ld3 verloren