Mein Mercedes klappert. Er klappert ganz doll. Er ist alt. Wenn mein Mercedes eine Frau wäre, würde in seinem Alter die biologische Uhr ticken. Aber davon kann das Klappern unmöglich herkommen, oder?

Ich habe für den Mercedes vor drei Jahren 3150 Euro bezahlt. Eigentlich wenig. Ich dachte, das ist jetzt mal ein Auto mit Charakter und Wiedererkennungswert. Aus den gleichen Gründen lasse ich mir die Haare wachsen, halte Zierfische und spiele Billard um halb zehn. Bei mir ist alles auf Charakter und Wiedererkennungswert getrimmt. Dann sind bei dem Mercedes innerhalb von etwa 20 Monaten nacheinander kaputtgegangen: die Lichtmaschine, der Anlasser, die Batterie, ein Teil, dessen Namen ich vergessen habe, das aber teuer war, noch mal die Lichtmaschine, diesmal hat es ein Oldtimerspezialist gemacht, für den Stundensatz könnte ich auch Peter Maffay das Auto reparieren lassen, die Achsaufhängung, der Unterboden, der gesamte Motor, der Kühler, die Fensterkurbel, noch mal die Lichtmaschine, der Fahrersitz, der Scheibenwischermotor, das Radio, die heizbare Heckscheibe, ein anderes Teil, von dem der Pannenhelfer sagte: "Das geht normalerweise nie kaputt", den Namen habe ich vergessen, aber es hat auch nur 93 Euro gekostet, irgendwas an der Automatik und zuletzt die Radkästen wegen innerer Durchrostung. Jetzt klappert er ganz doll.

Dies ist eine Männergeschichte im Stil des relevanten Realismus.

Ich denke immer: "Du hast schon so viel Geld hineingesteckt, da wäre es blöd, jetzt auf einmal blitzartig mit dem Geldhineinstecken aufzuhören." Aber vielleicht wäre das gar nicht blöd. Vielleicht wäre es klug. Oder ich denke: "Andere Leute bezahlen für ein neues Auto, das null Sexappeal hat, 30000 Euro. Ich zahle die 30000 Euro nach und nach und kriege sogar noch den Sexappeal dazu." Andererseits hat der Mercedes, wenn es so weitergeht, bald so viel gekostet wie ein neuer Phaeton mit eingebauten Brasilianerinnen. Ich darf auch niemandem die Wahrheit sagen. Wenn Leute das Auto cool finden, darf ich nicht erzählen, dass ich nicht mehr ins Alt-Luxemburg teuer essen gehen kann wegen des Autos, das würde die gesamte Coolness mit einem Schlage kaputtmachen. Mein ganzes Leben als Mercedesfahrer beruht auf einer Lüge. Außerdem haben die Zierfische angefangen, sich gegenseitig aufzufressen. Sie fallen übereinander her. Ich weiß, das hat mit dem Mercedes nichts zu tun, oder doch, es könnte ein Zeichen sein, allein ich kann es nicht lesen.

Auf dem Weg zur Werkstatt hat das Klappern aufgehört. Ich bin ins Büro gefahren. Auf dem Heimweg war es wieder da. Am nächsten Tag klapperte es noch doller, ich bin in die Werkstatt, dort klapperte es plötzlich nicht mehr. Der Mechaniker hat alles gecheckt und gesagt: "Da klappert nichts. Da kann gar nichts klappern." Der Mechaniker denkt, dass es in meinem Kopf klappert. Das sei der Stress. Ich sagte: "Meine Fische fressen sich gegenseitig auf." Der Mechaniker meint, die Fische hätten vielleicht auch Stress. Ich sagte: "Der Mercedes könnte eine Frau sein. Deswegen zickt er so rum." Da hat der Mechaniker sich eine Zigarette angezündet.