Es ist nicht immer ganz einfach, im Dickicht der Auktionen just das zu finden, was man sucht. Die einen informieren sich über die Tages- und Wochenpresse, andere lesen spezialisierte Fachblätter wie The Art Newspaper, Weltkunst oder Antiquitätenzeitung. Die großen Auktionshäuser wie Christie's und Sotheby's bieten dem Sammler sogar eigene Hochglanzmagazine und erlauben so einen Überblick über ihr Programm. Hinweise auf kleinere Auktionen finden sich reichlich im Internet. So flächendeckend und mundgerecht wie in Frankreich eröffnet sich der Markt jedoch nirgends.

Dort gibt es eine wöchentliche Publikation, die alle Ereignisse bündelt: Mit einer Auflage von 67 000 Exemplaren und einem Internet-Auftritt mit einer Million Seiten und 70 000 Nutzern im Monat informiert La Gazette de l'H'tel Drouot über das französische Auktionsgeschehen in Paris, in der französischen Provinz und zunehmend auch im Ausland. Das von der Holding Pariser Auktionatoren herausgegebene Magazin ist äußerst profitabel: Von den bis zu 350 Seiten jeder Ausgabe werden rund 70 Prozent mit Anzeigen gefüllt, pro Jahr werden fast 50 000 Abbildungen gedruckt - für den Sammler eine unendlich reiche Fundgrube.

Vor mehr als 150 Jahren wurde das H'tel Drouot als zentrales Auktionshaus in Paris gegründet. 3000 Auktionen im Jahr finden dort inzwischen statt, etwa 6000 Besucher kommen täglich, und schätzungsweise 600 000 Objekte aller Art wechseln dort jährlich den Besitzer. Nur mit der Gazette behält man da den Überblick. Da wird in Körben zufällig zusammengestellter Trödel angeboten oder auch ein kurioses Stück wie ein Splitter vom Kreuz Jesu. Die Haare, angeblich von Kaiser Napoleons Nacken stammend, kamen ebenso unter den Hammer wie die Nachlässe der Surrealisten Jean Arp oder André Breton.

1891 wurde die Gazette, wie Chefredakteur Gilles Picard erzählt, als kleines Anzeigenblättchen gegründet. Das weltweit erste wöchentlich erscheinende Medium auf dem Gebiet des Kunstmarktes entwickelte sich jedoch schnell zu einer der wichtigsten Publikationen für ernsthafte Sammler, wie auf der Website der John P. Robarts University in Toronto (www.library.utoronto.ca /robarts) zu lesen ist. Dort sind die Ausgaben von 1891 bis 1987 mit allen Objekten und Preisen, redaktionellen Berichten sowie auch die über Jahrzehnte hin erfassten Namen der Käufer inzwischen einsehbar.

Die eine oder andere Originalausgabe findet sich auch im Antiquariatshandel und gilt, je nach Ausgabe, selbst als Sammlerstück. Die mehr als 300 Seiten pro Woche nach den Objekten der jeweiligen Begierde zu durchforsten scheint ein großer zeitlicher Aufwand zu sein. Eine nach Orten und Ländern alphabetische Auflistung der Inserenten und Sparten der Ware erleichtert jedoch den Lesern, von denen gut die Hälfte Abonnenten sind, die Übersicht.

Ob Automaten, Automobile, Segelboote, Ikonen, Prähistorisches, Schmuck, Uhren, ausgemusterte Telefone bis hin zu allen möglichen Gegenständen aus dem Bereich der schönen und angewandten Künste - zielsicher wird man auf die gesuchten Dinge stoßen oder Unerwartetes entdecken.

Raritäten wie Textilien aus dem 18. Jahrhundert zum Beispiel oder handbedruckte Tapeten annoncierte das Haus Olivier Coutau-Bégarie im Juni 2004 in der Gazette. Ein entlegenes Sammelgebiet, das bei der immer stärker werdenden Konkurrenz im Internet kaum präsent ist. Den französischen Vorlieben entgegen kommen die regelmäßigen Angebote des auf das Empire spezialisierten Auktionshauses Jean-Pierre Osenat in Fontainebleau, das in diesem Juli mit einer liegenden Paulina Borghese aus Carrara-Marmor aufwarten konnte.