Faustball gehört zu den Traditionsportarten der World Games und ist dort seit der zweiten Ausgabe 1985 als offizielle Sportart vertreten. Um einmal aus dem Schatten dieser Veranstaltung Richtung Olympische Spiele schielen zu können, mangelt es dem Wettspiel weltweit wohl an Popularität. Dabei müsste es sich zumindest hierzulande größerer Beliebtheit erfreuen. Beim Faustball nämlich, auch wenn das Berühren des Hohlballes mit dem Fuß absolut tabu ist, lassen sich doch Gemeinsamkeiten zu Deutschlands Volkssport Nummer eins erkennen. Ja, genau, zum Fußball.

Nicht nur in der Halle schlagen die fünf Herren pro Team so doll sie können gegen die Pille, sondern auch auf 20 mal 50 Meter großen grünen Feldern. Doch sie sollen kein Tor treffen, sonder über ein zwei Meter hohes Band, so dass der Gegner auch nach einmaligem Aufprall des Balles diesen nicht erreicht. Wenn sie das mit aller Wucht tun, verlangt das Erreichen des Balles dem Abwehrspieler alles ab. Nicht selten rutscht er bäuchlings über den Acker. Da haben wir sie wieder, die Brücke zum Kicken: Fußball-Bundestrainer Jürgen Klinsmann hätte seine wahre Freude bei dem Anblick, hat er doch zu seiner aktiven Zeit aus weniger triftigen Gründen ähnliche Rutscheinlagen zelebriert – und wurde dafür in England gefeiert.

Nach dem gegnerischen Aufschlag hat eine Mannschaft dann maximal drei Ballkontakte, wobei zwischen jeder Berührung der Boden als Mitspieler genutzt werden darf. Es dauert also länger als beim Volleyball, bis der Ball die Seite wechselt. Beim Vorrundenspiel der World Games zwischen Deutschland und Argentinien nutzte dies der Angreifer der Gauchos, Martin Vasquez, sogar ab und an, um seine wilde Mähne zum Zopf zu flechten, ehe der Ball wieder in seinen Reihen war und er losschlagen durfte.

Den ersten von zwei auf 20 Punkte gespielten Gewinnsätzen konnte das deutsche Team glatt mit 20:10 für sich entscheiden. Im zweiten Durchgang überraschten die Argentinier den Favoriten und gewannen 20:17. Diego Armando Maradona, der mit seiner legendären "Hand Gottes" Argentinien regelwidrig ins Endspiel der Fußball Weltmeisterschaft 1986 faustete, hätte seine wahre Freude an den Landsmännern mit ihren göttlichen Fäusten gehabt. Am Ende siegte Deutschland dann doch noch im dritten Satz deutlich mit 20:9 und untermauerte seine Titelambitionen als eine der Spitzenmannschaften beim Faustball in den letzten Jahren.

Seit der ersten Weltmeisterschaft 1968 bis zur zehnten 1999 hieß der Sieger immer Deutschland. Gut, eine solche Dominanz mag ein Wunschgedanke bei dem Fußballvergleich sein. Dass Brasilien seitdem Deutschland aber den Rang abgefaustet hat, kann da schon eher als sportübergreifende Gemeinsamkeit betrachtet werden.

Die Vor- und Zwischenrundenspiele finden noch bis Samstag auf dem Gelände der Sportschule Wedau in Duisburg statt, ehe am Sonntag die Finals ausgetragen werden. Kommt es zum Duell Deutschland gegen Brasilien? Das hätte auch beim Faustball ähnliches Prestige wie beim Fußball.