Der Schrecken des Terrors reißt nicht ab. Während in London der beherrschte Trotz, mit dem die Bürger auf die Anschläge vom 7. Juli reagierten, nach den Ereignissen der vergangenen Tage wachsender Nervosität wich, starben im Badeort Scharm al-Scheich am Roten Meer schon wieder Menschen durch Bomben.

Immer wieder ist Ägypten  in den vergangenen Jahren von Anschlägen erschüttert worden, trotz Ausnahmezustand und einer Politik der stählernen Faust gegen Islamisten aller Grünschattierungen. Im vergangenen Oktober starben 34 Menschen in Ferienanlagen in Taba, als zwei Autobomben explodierten. Die meisten von ihnen waren Israelis. Im April wurden zwei Franzosen und ein Amerikaner von einem Selbstmordattentäter in der Altstadt von Kairo mit in den Tod gerissen. Drei Wochen später wurden bei einer Explosion vor dem ägyptischen Museum mehrere ausländische Urlauber verletzt. Schon 1997 waren in Luxor 62 Menschen, fast alle Touristen, von Islamisten erschossen worden.

Doch wer Scharm al-Scheich angreift, der hat es nicht nur auf westliche Besucher abgesehen. Der Ort ist ein Symbol für die Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten. Seit dem Friedensschluss zwischen Ägypten und Israel war der Sinai eine Oase der unerschütterlichen Ruhe in den Wirren des Nahostkonflikts geworden - und ein Ort des Gesprächs zwischen Feinden. Immer wieder verhandelten dort Vertreter aus Israel und den palästinensischen Gebieten über ein Ende der Gewalt, beschirmt von Ägypten, Jordanien und den Vereinigten Staaten. Präsident Bill Clinton reiste nach Scharm al-Scheich, auch Präsident George W. Bush vermittelte hier.

Wie der Ort, ist der Zeitpunkt der Anschläge ebenfalls symbolbelastet: Gerade besucht Amerikas Außenministerin Condoleezza Rice Israel und das Westjordanland, um den road map genannten Friedensplan wiederzubeleben.

Mit ihren Anschlägen haben die Terroristen nun gleich drei Gegner auf ein Mal getroffen: Die verhassten "Kreuzfahrer" im Gewand westlicher Touristen; die Regierung von Präsident Hosni Mubarak, die ihnen als unmuslimisch gilt; und alle, die an einen Friedensprozess mit Israel glauben.