Die jüngsten Probleme der Raumfähre Discovery bereiten der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa massive Probleme. Nicht nur die Aufrechterhaltung der Raumstation ISS und der Ruf der Nasa stehen auf dem Spiel. Von einer erfolgreichen Shuttle-Mission, der ersten seit dem tödlichen Columbia-Unglück im Februar 2003, hängt nach Meinung von Experten die zukünftige Entwicklung der bemannten Raumfahrt ab.

Die Debatte um Sinn oder Unsinn der bemannten Raumfahrt hatte im Herbst 2004 neuen Auftrieb erhalten, als der amerikanische Präsident das Thema im Wahlkampf aufgriff und seinen Traum beschrieb, im Jahr 2020 Astronauten zum Mond - und 2030 dann zum Mars - zu schicken. Die Europäische Weltraumagentur Esa fühlte sich daraufhin inspiriert und gab bekannt, ebenfalls in die bemannte Raumfahrt einsteigen zu wollen. In Deutschland erteilte die SPD-Bundestagsfraktion diesen „All-Machtphantasien“ eine klare Absage: „Die Bundesregierung wird kein Geld in teure und gefährliche Abenteuer investieren“ und stattdessen an dem erfolgreichen Weg der unbemannten Raumfahrt festhalten. Allenfalls als Türöffner boten sich die Deutschen an: "Wenn der erste amerikanische Astronaut den Mars betritt, macht ihm unser Roboter die Tür auf“, formulierte Forschungsministerin Edelgard Bulmahn elegant.

Im Kern lauten die Argumente der Skeptiker folgendermaßen: Kosten, Risiko, Aufwand der bemannten Raumfahrt seien zu hoch. Ein scharfer Kritiker ist Bob Park, Physik-Professor an der Universität Maryland und Raumfahrtspezialist, der auf die unangenehmen gesundheitlichen Begleiterscheinungen für Astronauten hinweist. Vor allem die extreme Strahlenbelastung, die die auf der Erde geltenden Grenzwerte um ein Vielfaches übersteigt, sei auf Dauer kaum zu verantworten.

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft ergänzt, dass der wissenschaftliche oder ökonomische Nutzen, der die hohen Kosten der bemannten Raumfahrt rechtfertigen würde, bisher nicht auszumachen sei. Denn in den letzten Jahrzehnten habe sich die Robotik dermaßen entwickelt, dass die Anwesenheit von Menschen im Weltraum entbehrlich erscheine. Für Experimente in der Schwerelosigkeit eigneten sich beispielsweise Roboter sehr viel besser. Für die maschinelle Raumfahrt spräche zudem, dass bemannte Raumflüge wegen der extremen hohen Sicherheitsanforderungen weitaus höhere Kosten verschlängen.

Dieses Kostenargument lässt Ulrich Walter, Professor für Raumfahrttechnik an der TU München und selbst 1993 Astronaut an Bord der Raumfähre Columbia, nicht gelten. Das Projekt Eureka aus dem Jahr 1992, eine frei schwebende, unbemannte Experimentierplattform im All, war mit jeweils 412 Millionen Euro pro Versuch fünf Mal teurer als die vergleichbare bemannte Mission. Allerdings sind die Kosten einer Besiedlung von Mond oder Mars sind die Kosten nur schwer zu berechnen.

Schwer wiegt dagegen die Sicherheitsproblematik. Obwohl in den Forschungszentren der Nasa alles nur Denkbare getan wurde, um die Shuttles sicherer zu machen, zeigen die Probleme der Discovery , dass ein Raumflug auch nach mehr als 110 erfolgreichen Starts keine Routineangelegenheit ist. Als 1986 die Challenger-Fähre 73 Sekunden nach ihrem Start explodierte, als 2003 die Columbia in der Landephase verbrannte, befiel die Menschen vor den Bildschirmen ein Schrecken, der im Falle einer Crew aus Robotern ausgeblieben wäre - allenfalls die Ingenieure hätten getrauert.

Doch einen unbestreitbaren Vorteil der bemannten Raumfahrt gibt es allemal. Als das Bild des ersten Menschen auf dem Mond um die Welt ging, konnten sich die zu Hause gebliebenen mit ihm identifizieren. Es ergibt eben einen großen Unterschied, ob ein Planet mit Fernrohren erforscht wird, mit Robotern oder von Astronauten. Den Menschen interessiert der Mensch. Und so wird weit jenseits wissenschaftlicher Forschungsergebnisse der Tag die Welt in seinen Bann schlagen, an dem der erste Mensch seinen Fuß auf einen anderen Planeten setzen wird.