China hat nach mehr als einem Jahrzehnt die heimische Währung von der Dollar-Bindung gelöst und damit die Märkte überrascht. Zugleich wurde der Yuan gegenüber dem Dollar um 2,1 Prozent aufgewertet und an einen Währungskorb gebunden. Das Wechselkurssystem werde flexibler, teilte die Notenbank am Donnerstag in Peking mit. Führende Industrienationen, vor allem die Vereinigten Staaten, hatten seit längerem eine Aufwertung der chinesischen Währung verlangt. Der Dollar geriet nach der Ankündigung unter Druck, während der Euro deutlich stieg.

Die Entscheidung Pekings wurde von Finanzfachleuten und Politikern als erster Schritt in die richtige Richtung gewertet. Dies sei ein "erster guter Schritt", sagte der Chef der amerikanischen Notenbank Alan Greenspan in Washington. Finanzminister John Snow sieht in der Aufwertung einen Beitrag zur weltweiten Stabilität. Der Internationale Währungsfonds (IWF) ermutigte Chinas Notenbank zu noch mehr Flexibilität.

Auch die deutsche Wirtschaft reagierte erfreut. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) sagte: "Davon dürfte auch die deutsche Wirtschaft profitieren." Darüber hinaus gehe er davon aus, dass die Aufwertung auch zu einem "ausgewogeneren Wachstum" der chinesischen Wirtschaft beiträgt.

Der Wechselkurs der chinesischen Währung zum Dollar wurde am Donnerstag neu auf 8,11 Yuan für einen Dollar festgesetzt. Seit 1994 war der Yuan fest an die amerikanische Währung gebunden: 8,2765 Yuan für einen Dollar. Die Spanne von plus/minus 0,3 Prozent, die bislang galt, soll beibehalten werden. Chinas Notenbank will täglich einen Kurs festlegen. Die Zusammensetzung des neuen Währungskorbs nannte sie noch nicht. Der Kurs des Yuan zu den anderen Korbwährungen werde - in später noch genauer zu benennenden Bandbreiten - frei schwanken, hieß es. Die Notenbank werde entsprechend der Marktentwicklung sowie der wirtschaftlichen und fiskalischen Situation Anpassungen vornehmen.

Der Euro reagierte mit einem Anstieg und kletterte zeitweise auf 1,2252 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit knapp zehn Tagen. "China wird nicht mehr in dem Ausmaß Dollar kaufen wie bisher", sagte Volkswirt Rainer Satoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt. "Das stützt den Euro." China gehörte bislang zu den größten Käufern amerikanischer Staatsanleihen.

Die Aufwertung der chinesischen Währung war seit langem von Europa und den USA gefordert worden, weil der Wirtschaftsboom Chinas und das kräftige Exportwachstum durch die niedrig bewertete Währung des Landes begünstigt wurden. Besonders die USA haben angesichts ihres hohen Handelsdefizits mit China auf eine Aufwertung des Yuan gedrängt.

Noch am Rande des Gipfeltreffen der führenden Industriestaaten und Russlands (G8) Anfang Juli im schottischen Gleneagles war aus China kein Signal zu vernehmen gewesen, die feste Bindung des Yuan zum Dollar aufzugeben. Experten halten den Yuan für um bis zu 40 Prozent unterbewertet. China will seine Währung jedoch vorsichtig reformieren, um die eigene Exportindustrie nicht zu gefährden. Anders als die USA mit ihrem enormen Haushalts- und Handelsdefizit ist die Handelsbilanz Chinas weitgehend ausgeglichen.