Skandale im Wochentakt. Der Fall VW wächst noch, jetzt endlich macht ihn der Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch zur Chefsache. Der Fall Infineon trifft ein Unternehmen nicht nur an der empfindlichsten Stelle, ganz oben nämlich, sondern auch zur schlechtesten Zeit. Die deutsche Chiphoffnung muss technisch gegenüber der Konkurrenz aufholen und gleichzeitig eine tragfähige Unternehmenskultur etablieren. Und jetzt kommen die Fahnder ins Frankfurter Haus der Commerzbank . Ihr wohlbegründeter Verdacht: Über das Bankhaus wurde Geld gewaschen, und einige ehemalige und derzeitige Mitarbeiter haben sich nass gemacht.

Die Skandale unterscheiden sich zwar in vielerlei Hinsicht. Doch eines haben sie gemeinsam: Sie alle reichen bis in die Etage der Vorstände und Aufsichtsräte. Und deren Verhalten zählt in Krisenzeiten, in denen das "weiche Kapital" eines Konzerns auf dem Spiel steht. Solches Kapital zeigt sich im Vertrauen der Mitarbeiter zum Arbeitgeber, in der Motivation von Kollegen und Zulieferern, das Beste zu leisten, und in der Reputation nach außen. Ob sie richtig oder falsch handeln: Die Chefs geben das Vorbild für die Zukunft.

Deswegen war es verkehrt, dass Ferdinand Piëch das Feld so lange seinem Aufsichtsratskollegen und niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff überließ, der doch immer auch politische Zielstellungen verfolgt. Es ist ja wahrlich nicht so, als hätte VW keine Skandalhistorie. Da waren vor Jahren fragwürdige Lieferverträge aus der Lopez-Connection, und da waren vor Monaten die Politiker, die ohne große Gegenleistung auf der VW-Gehaltsliste zu finden waren.

Deswegen war es auch verheerend, wie lange Infineon seine Affäre ungeklärt mit sich schleppte. Eineinhalb Jahre immerhin, seit die ersten Informationen aufkamen. Erst die Staatsanwaltschaft brachte etwas Licht in dieses Dickicht.

Und deswegen ist es - nach jetziger Informationslage - gut, dass bei der Commerzbank ein Vorstand frühzeitig die Verantwortung übernahm und vorzeitig ausschied. Den Abschied von Andreas de Maizière hat die Bank vergangene Wochen bekannt gegeben. Jetzt kommt die Nachricht, dass auf seinem Zuständigkeitsfeld Osteuropa schwere Verdächtigungen bestehen - wohlgemerkt nicht gegen ihn selbst.