Immer neue Perlen der Deutschland AG reihen sich auf die Schnur der Korruptionsaffären , die die deutsche Wirtschaft seit einigen Wochen umtreiben. Nun hat die Commerzbank eingeräumt, dass ihr Personalvorstand Andreas de Maizière in der vergangenen Woche zurücktrat, weil gegen ihn wegen des Verdachts der Geldwäsche ermittelt wird. Der Manager habe "die persönliche Verantwortung für mögliche Unregelmäßigkeiten in seinem früheren Zuständigkeitsbereich übernommen", ließ das Geldinstitut am Montag verlauten.

De Maizière war lange für das Mittel- und Osteuropageschäft des Instituts zuständig. Bei der Commerzbank ist man aber überzeugt, dass ihm persönlich keine strafrechtlichen Vorwürfe zu machen sind.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt seit dem vergangenen Jahr wegen des Verdachts der Geldwäsche im Zusammenhang mit der Privatisierung russischer Telekommunikationsunternehmen. Zu den Beschuldigten gehören zwei vor drei Jahren ausgeschiedene und drei noch bei der Commerzbank beschäftigte Mitarbeiter; unter ihnen ist de Maizière.

Die Staatsanwälte hatten am vergangenen Dienstag und Mittwoch zehn Wohnungen und Büros im Rhein-Main-Gebiet durchsucht, darunter auch Geschäftsräume der Commerzbank. Zur gleichen Zeit waren Ermittler in der Schweiz gegen Finanzanwälte vorgegangen, die die russische Tätergruppe juristisch beraten haben sollen.

Die Dimension des Falles, soweit er die Beschäftigten der Commerzbank betrifft, ist den Ermittlern noch unklar. "Die Summe, um die es geht, ist noch völlig offen", sagte eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Medieninformationen, nach denen rund 100 Millionen Euro aus illegalen Geschäften über Konten der Bank gelaufen sein sollen, könne sie nicht bestätigen. Zu den Hintergründen der Tat wollte sie sich nicht äußern.

Die Commerzbank ist wegen einer treuhänderischen Mehrheitsbeteiligung an der mittlerweile aufgelösten Gesellschaft First National Holding in Verdacht geraten. Die Holding war an der russischen Telecominvest beteiligt. Die Beteiligung, die ursprünglich an die Börse gebracht werden sollte, wurde Ende 2001 an den Treuhänder zurückgegeben. Danach soll die ebenfalls durchsuchte, von zwei früheren Commerzbank-Angestellten gegründete Frankfurter Kapitalanlagegesellschaft Eurokapital das lukrative Geschäft übernommen haben. Weitere Spuren des Geldwäsche-Netzes führen nach Liechtenstein und Zypern.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) interessiert sich seit März 2004 für die Vorgänge. Anfang 2005 hatte sie eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft an der Prüfung beteiligt. Die BaFin prüft, ob die Commerzbank ausreichende Vorkehrungen getroffen hat, um nicht für Geldwäsche missbraucht werden zu können. Nach Angaben der Commerzbank hatte die BaFin vor kurzem eine Zwischeninformation zum Stand der Prüfung übermittelt. Daraufhin habe de Maizière dann sein Amt niedergelegt. Von den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sei der Commerzbank nichts bekannt gewesen.