Für so ziemlich jeden nur als Freizeitbeschäftigung bekannten Sport finden sich irgendwann auch wettkampfmäßige Formen, und nicht wenige davon tauchen dann bei den World Games auf. Frisbee ist so ein Vergnügen, das gemeinhin eher gemütlich im Park als verbissen um Siege und Medaillen gespielt wird. Findige Geschäftsleute nutzten es aus, dass nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA jedermann entweder ein Ufo gesehen haben wollte oder zumindest über die Unbekannten Flugobjekte sprach, und so entwickelte Walter Frederic Morrison aus Kunststoff eine fliegende Untertasse zum Hin- und Herwerfen. Dieser Tage kehrt sie in der Form Ultimate Frisbee in ihre deutsche Wiege Duisburg zurück, wo 1981 die erste offizielle Meisterschaft ausgetragen wurde und noch bis Sonntag die World Games stattfinden. Das Licht der weiten Welt erblickte Ultimate Frisbee allerdings bereits 1968 in den USA, wo der Volkssport American Football als Schablone für eine wettkampfmäßige Frisbee-Form diente.

Zumindest die Spielidee ist ähnlich. Auf dem 100 Meter langen und 37 Meter breiten Spielfeld gibt es an den schmalen Seiten eine Endzone, in der die zugeworfene Scheibe gefangen werden muss, um einen Punkt zu erzielen. Ansonsten ersetzen die Ultimate Frisbee-Spieler nicht einfach das Football-Ei gegen einen Plastikdiskus, sondern interpretieren die Vorgabe wie ein guter Sänger das fremde Lied auf eigene Weise. Das Spielende ist nicht nach einer bestimmten Zeit erreicht, sondern nach 13 erzielten Punkten. Außerdem ist das Laufen mit der 175 Gramm leichten Scheibe tabu. Also kommt es darauf an, sich ohne die Frisbee-Scheibe durch läuferischen Einsatz in eine gute Position zu bringen, um letztlich mit dem Spielgerät in der Endzone jubeln zu können. In Duisburg drehen sieben Spieler - von denen mindesten drei weiblich sein müssen - an den Scheiben, um diese in Schwung zu bringen.

Als Zeichen für den immer noch vorrangigen Spaßfaktor verbietet das Regelwerk Körperkontakt und lässt die Athleten alle Verstöße selbst anzeigen. Auch ohne Schiedsrichter geht es friedlich zu. Damit der Spielfluss nicht wie beim American Football andauernd unterbrochen wird, darf ein Spieler die Scheibe nur so lange in den Händen halten, bis ein Gegner zu ihm kommt und bis zehn zählt. Bedrängt vom Kontrahenten und unter Zeitdruck bedarf es einer ausgefeilten Wurftechnik, um das Wurfrecht nicht aus den Händen geben zu müssen. Jeder Hobbyspieler erkennt sofort, dass neben Gruppentaktik und Laufbereitschaft vor allem das virtuose Handling der Frisbee-Scheibe den Unterschied macht, ob mit den Kindern zwischen Grill und Gartenlaube gespielt wird oder bei den World Games.

Hier treten die sechs besten Teams der Welt gegeneinander an. Die deutsche Mannschaft gehört dazu, ist aber allenfalls Außenseiter und verlor ihre ersten drei Vorrundenspiele gegen Titelverteidiger Kanada, die USA und Finnland. Die nächsten Spiele am Samstag entscheiden dann, welches Resultat bei den Platzierungsspielen am Sonntag noch möglich ist. Um sich gegenüber den letzten World Games 2001 im japanischen Akita zu verbessern, reicht es schon aus, nicht Letzter zu werden.