Die britische Polizei jagt mit Hochdruck die Verantwortlichen für die fehlgeschlagenen Bombenanschläge von London vom vergangenen Donnerstag. Die Polizei verhörte am Samstag zwei Terrorverdächtige, die am Freitagabend und in der Nacht festgenommen worden waren. Ob es sich bei den zwei Männer um Verantwortliche der verhinderten Attentate in drei U-Bahnen und einem Bus handelte, ist jedoch unklar.

Die Ermittler hatten bei der Suche nach den Terroristen zwei Mal im Stadtteil Stockwell zugegriffen und die Männer in Gewahrsam genommen. Die erste Festnahme stehe in Verbindung zu den nicht explodierten Sprengsätzen, hieß es. In der U-Bahnstation Stockwell hatten Fahnder zuvor einen Unschuldigen erschossen. Nach Augenzeugenberichten schoss ein Zivilpolizist dem Flüchtenden fünf Mal in den Kopf. Londoner Terrorfahnder sind angewiesen worden, mutmaßlichen Selbstmordattentätern gezielt in den Kopf zu schießen - die Polizei fürchtet, durch Schüsse in den Körper könnten dort sonst versteckte Bomben explodieren. Der Mann, der von Polizisten getötet wurde, habe nichts mit den Attentatsversuchen vom Donnerstag zu tun, sagte später Scotland Yard, und kündigte eine Untersuchung an. Bei dem Opfer handelte es sich um Jean Charles de Menezes, einen 27 Jahre alten Brasilianer.

Die brasilianische Regierung hat von Großbritannien Aufklärung verlangt. Polizeichef Ian Blair übernahm die volle Verantwortung für den Vorfall. "Das ist eine Tragödie", sagte Blair. Der Familie des Opfers könne er nur sein tiefes Bedauern aussprechen. Die britische Polizei tue alles, um sich korrekt zu verhalten. Entscheidungen dieser Art würden jedoch in "furchtbaren Zusammenhängen" getroffen. Die Polizei hatte erklärt, Menezes sei wegen seiner Kleidung und seines Verhaltens verdächtig erschienen: Trotz des warmen Sommerwetters habe der Brasilianer einen dicken Mantel getragen und habe auf Anweisungen der Zivilfahnder nicht reagiert.

Nach der Veröffentlichung von Aufnahmen der vier mutmaßlichen Attentäter am Freitag erhielt Scotland Yard hunderte von Anrufe über die Antiterror-Hotline. Die Aufnahmen stammten von Überwachungskameras, die in den drei U-Bahnen und dem Bus installiert waren, wo die Bomben explodieren sollten. Allerdings detonierten nur die Zünder. Deshalb kam bei den Attentatsversuchen vom Donnerstag niemand zu Schaden.

Der Londoner Bürgermeister Ken Livingston versprach, dass noch mehr Polizisten in der U-Bahn eingesetzt werden sollen. Am Samstag gab es wieder einen Sicherheitsalarm. Die U-Bahnstation Mile End in Ostlondon wurde für etwa eine halbe Stunde gesperrt. Zur Art des Alarms war von den Behörden nichts zu erfahren.

Kriminaltechniker untersuchten außerdem weiter die nicht gezündeten Bomben . Sie wollen herausfinden, ob der verwendete Sprengstoff aus derselben Quelle wie die Bomben vom 7. Juli stammt. Drei der vier Bomben vom Donnerstag hatten die gleiche Größe und das gleiche Gewicht wie jene Sprengsätze. Bei den Selbstmordanschlägen, ebenfalls in drei U-Bahnen und einem Bus, waren 56 Menschen getötet und weitere 700 verletzt worden.