Kaum fängt der Wahlkampf in Echtzeit an, kann man sich schon über den Irrsinn wundern, der uns blühen wird. Joschka Fischer also will Gegenstände, die man eigentlich nicht braucht und bei deren Beschaffung Geld keine Rolle spielt, mit einem höheren Mehrwertsteuersatz belegen. Das ist nicht nur inkonsequent, sondern sogar schädlich, denn eine solche "Luxussteuer" bestraft ja das Ausgeben des Geldes, auf das es eigentlich nicht ankommt -  bestraft also auch das Schaffen von Arbeitsplätzen, an denen die Gegenstände hergestellt werden, die man offenbar nicht braucht, aber gerne besäße.

Dagegen bliebe das Behalten des unnötigen Geldes steuerfrei, obwohl auf diese Weise im Gegenwert nicht einmal unnötige Produkte hergestellt und also noch mehr Arbeitsplätze in Gefahr gebracht würden. Wäre es da nicht viel konsequenter und ergiebiger, den Leuten (und zwar allen!) das Geld einfach wegzunehmen, auf das es offenbar nicht mehr ankommt? Dann wäre Fischer wieder dort angekommen, wo er einmal herkam. Übrigens: Der Außenminister trägt eine Uhr am Arm, die weit teurer ist als für die unmittelbare Zeitansage nötig!

Dagegen will der saarländische Ministerpräsident Peter Müller die Gegenstände nicht des täglichen, sondern des kindlichen Bedarfs nur noch mit dem halben Mehrwertsteuersatz belegen. Grandiose Idee! Werden auf diese Weise doch unzählige Arbeitsplätze geschaffen, und zwar für jene Beamten, die die Warenlisten durchforsten müssen auf ihre Eignung oder Notwendigkeit für den kindlichen Gebrauch. Ein schönes Entbürokratisierungs- und Staatsvereinfachungsprogramm.

Und dann die vielen schönen Einzelfragen: Was, wenn die Mutter Penaten-Creme für den Säuglingspopo kauft (Achtung! Halber Mehrwertsteuersatz), dann aber der Papa den seinen damit ebenfalls pflegt? Muss die Familie die Mehrwertsteuer proportional nachentrichten, zuzüglich Bearbeitungszuschlag? Und überhaupt: Müsste die Ehefrau vor dem Erwerb der mehrwertsteuerbegünstigten Penaten-Creme nicht erst durch geeignete Dokumente das Vorliegen eines empfindlichen Kindes(-popos) nachweisen?

Schließlich aber die echten Zweifelsfälle, in denen sich die Vorschläge Fischers und Müllers bedrohlich überkreuzen. Zum Beispiel die berühmte Modelleisenbahn von Märklin: Ist das nun ein Gegenstand des kindlichen Bedarfs (halber Mehrwertsteuersatz) oder gehört dieses Fabrikat zu jener Gattung des elterlichen, genauer - denn wer kriecht denn in den riesigen Modellanlagen dominierend umher, die um die Weihnachtszeit ganze Wohnzimmer blockieren? - des väterlichen Luxus, bei dem es auf das Geld wirklich nicht mehr ankommt. Wohin sollte man mit diesen Bahnen auch sinnvollerweise fahren können? Zweck-Mittel-Relation also gleich null: Doppelter Mehrwertsteuersatz.

Wie erinnere ich mich da so gerne meines lieben Onkels, der sich um das Jahr 1950 - also weit vor der Zeit - seine Märklin-Güterlok "Krokodil" als angehender Brau-Ingenieur einfach selber nachbaute. Heute würde er auf diese Weise glatt den Tatbestand der Hinterziehung der Luxus-Mehrwertsteuer erfüllen.

Wenn das mit dem Wahlkampf so weitergeht, dann verlange ich einen saftigen Steuerzuschlag auf unsinnige politische Vorschläge; und könnte wohl erwarten, damit einen wohltuenden Beitrag zur Sanierung der Staatsfinanzen, möglicherweise gar zur Streichung der gesamten Mehrwertsteuererhöhung zu leisten. Nicht wahr, Frau Merkel! Im Vertrauen gefragt: Ihr Besuch bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth, gehört der nicht auch zu den Aktivitäten, bei denen es auf das Geld nicht mehr ankommt? Achten Sie auf Joschka Fischer! Oder wenigstens auf Antje Vollmer, die ja auch schon auf dem grünen Hügel gesichtet wurde.