1,2 Millionen Menschen in Niger sind wegen einer anhaltenden Dürre von Hunger bedroht. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hat deshalb seine Lebensmittelhilfe verdreifacht. Auch die französische Hilfsorganisation Réunir richtete eine Luftbrücke zur Stadt Maradi am Rande der Südsahara ein. Von Marseille aus starteten Flugzeuge mit 16 Tonnen Öl, Zucker und Erdnusspaste.

Ein weiteres Flugzeug soll mit Unterstützung der französischen Regierung am Wochenende weitere 40 Tonnen Hirse und 28 Tonnen Öl nach Maradi fliegen. "Die Menschen sind wirklich verzweifelt. Wir müssen so viel Ernährungshilfe wie möglich bieten, um die schrecklichen Szenen, in denen Kinder langsam vor den Augen ihrer Eltern sterben, zu stoppen", sagte der für Niger zuständige WFP-Mitarbeiter Gian Carlo Cirri. Mindestens 2,5 Millionen Menschen in Niger bräuchten dringend Nahrungshilfe, errechnete das WFP.

Die Deutsche Welthungerhilfe kündigte ebenfalls an, zusammen mit ihrer irischen Partnerorganisation Concern Worldwide in den kommenden sechs Monaten insgesamt 140.000 Notleidende zu versorgen, darunter 15.000 bis 20.000 Kinder. Die Organisationen konzentrieren sich auf die Provinz Tahoua im Nordwesten Nigers.

In der Liste, die den Entwicklungsstand afrikanischer Länder abbildet, nimmt der Niger immer noch den vorletzten Platz ein. Knapp die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre. Die Analphabetenrate liegt bei 82,4 Prozent. Durchschnittlich werden die Menschen 42 Jahre alt. Vor allem in der mittleren Generation fordert Aids immer mehr Opfer. Die Situation der Kinder im Land ist entsprechend trist, die Zahl der Waisen steigt ständig.

"Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit", sagte Welthungerhilfe-Sprecherin Marion Aberle. "Etwa 400 Menschen sterben allein im Nordwesten am Tag an den Folgen der Unterernährung, die meisten davon Kinder. Wenn wir schnell handeln, können wir noch Schlimmeres verhindern." Neben der Dürre hatte eine Heuschreckenplage im vergangenen Jahr zu dem Nahrungsmittelmangel geführt. Die nächste Ernte wird erst im Oktober erwartet.

Nun droht auch noch der erste Regen, die Krise zu verschärfen: Er lässt ein paar zarte Grashalme sprießen, die die ebenfalls hungernden Ziegenherden fressen. Dabei fressen die Tiere reichlich Sand mit und verenden. Ziegen sind aber wichtige Milchlieferanten für die hungernden Kinder. Außerdem sind viele Menschen vor Hunger zu schwach, ihre Felder zu bestellen. So könnte trotz des Regens auch die nächste Ernte zu klein ausfallen. Schließlich kündigt sich an der Grenze zwischen Tschad und Sudan ein neuer Heuschreckenschwarm an, der sich zur Plage auswachsen und die Herbsterträge gefährden könnte.

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Die Welthungerhilfe nimmt Spenden unter Kontonummer 1115, Sparkasse KölnBonn, BLZ 380 500 00, Stichwort: Hungersnot Sahel, entgegen.