Nein, das Glas ist nicht halb voll, es ist noch nicht einmal Wasser darin. Aber wenigstens steht es wieder auf dem Verhandlungstisch in Peking: Seit Dienstag haben Diplomaten der an den "Sechsergesprächen" beteiligten Länder die Verhandlungen über das Atomprogramm der Nordkoreaner wieder aufgenommen.

Die neue Runde soll - nach 13 Monaten Pause! - mit amerikanischen und nordkoreanischen Eröffnungen begonnen haben, die, wie man hört, in konziliantem Ton gehalten wurden. Auf Diplomatisch heißt das schon eine ganze Menge, denn in jener Welt der verrätselten Signale macht der Ton die Musik. Doch bis zu einer Abmachung wird es noch lange dauern. Es geht ein bisschen wie in den Atomverhandlungen der EU mit dem Iran zu: Die Gespräche dienen zunächst einmal dem Ziel, die Fortsetzung von Gesprächen zu rechtfertigen. Auch das ist in der Diplomatie kein außergewöhnlicher Umstand.

Um die Dinge zu erleichtern, haben die Amerikaner immerhin ihre Taktik geändert; sie zeigen, wie schon seit einiger Zeit im Verhältnis zum Iran und vor wenigen Tagen auch im Fall der Atommacht Indien, außenpolitische Flexibilität. Im Rahmen der Gespräche in Peking kommt es zu bilateralen Begegnungen mit den Nordkoreanern, und zwar auf, wie man so sagt, hoher Ebene - wenngleich "informell".

Ein Zuckerstück in homöopathischer Dosis; im außenpolitischen Verhandlungsgeschäft wirken derartige Gaben stärker als in der Medizin. Nun aber geht es in den kommenden Wochen, auch dies ist eine beliebte Stellung im Diplomatenschach, um die Außenstehenden schwer begreiflich zu machende Frage, ob die Gegenstände der Gespräche (Atomprogramm, Sicherheitsgarantien, Wirtschaftshilfe) gleichzeitig oder nacheinander verhandelt werden sollen.

Nicht zur Debatte stehen die Menschenrechte. Das ist schlecht. Wohl nirgends auf der Welt werden sie derzeit in solchem Maße verachtet und missachtet wie unter der Diktatur des Kim Jong Il. Doch abgesehen davon, dass der Verhandlungsort - vorsichtig formuliert - dieses Thema nicht nahelegt, scheint es bis auf Weiteres die beste Politik auch im Sinne der Menschenrechte zu sein, die Grenzen zu Nordkorea im Zuge internationaler Zusammenarbeit durchlässiger zu machen. Dazu wiederum kann es nur kommen, wenn die wechselseitige Bedrohungsstarre gelöst wird. Entspannung und Menschenrechte, das alte Thema, doch immer wieder neu am konkreten Objekt zu diskutieren.

Da steht es also, das Glas. Bloß nicht kippen. Und man schaue sich um: Weit und breit kein Cowboy, der es zerschlagen will. So viel zu den Stereotypen.