Erst ruft Angela Merkel den Ostwahlkampf aus, dann beendet sie ihn gleich wieder: Was soll man davon halten, zumal als CDU-Wahlkampfmanager in einem der neuen Bundesländer? Wer die befragt, die in Dresden, Magdeburg oder Schwerin die Strategie der Union bis zur Wahl planen, stößt auf widerstrebende Lager.

So ist der thüringische CDU-Generalsekretär Mike Möhring der Ansicht, dass man eine Bundestagswahl im Osten nicht gewinnen, wohl aber verlieren kann. "Angela Merkel sollte deutlicher ihre Ost-Herkunft hervorkehren", forderte er, und: "Wir müssen mit diesem Pfund wuchern."

Eine Strategie, die beim CDU-Vorsitzenden von Sachsen-Anhalt, Thomas Webel, auf Ablehnung stößt. "Wir haben kein Ost-West-Problem, wir haben strukturschwache Gegenden - aber in ganz Deutschland." Außerdem brauche die CDU im Wahlkampf eine künftige Kanzlerin aller Deutschen und nicht eine aller Ostdeutschen.

Das wiederum sieht der sächsische CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer anders. Er hält viel von einer speziellen Wahlkampfstrategie für Ostdeutschland. Mit einem rein westdeutsch aufgezogenen Wahlkampf könne man die ostdeutschen Wähler nicht erreichen. Also brachte er Sachsens Ministerpräsidenten Georg Milbradt als möglichen Finanzminister in einem Kabinett Merkel ins Gespräch - was wiederum der noch amtierende CDU-Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern, Eckhard Rehberg, für falsch hält. "Ich weiß nicht, ob er ihm damit einen Gefallen getan hat." Allerdings macht sich Rehberg selbst Hoffnungen auf eine wichtige Rolle in Berlin, eventuell als Staatsminister im Kanzleramt. Immerhin kandidiert er hinter Merkel auf Platz zwei der mecklenburg-vorpommerschen Landesliste  für den Bundestag. Auch, weil seine Partei ihn nicht mehr als Spitzenkandidat für den Landtagswahlkampf 2006 nominieren mochte.

Abseits persönlicher Interessen lehnt Brandenburgs Landesgeschäftsführer Rico Nelte einen speziellen Ost-Wahlkampf ab. "Die Probleme sind im Prinzip die gleichen wie im Westen", meint Nelte. Allerdings ergebe sich durch die Linkspartei/PDS, die natürlich einen auf den Osten zugeschnittenen Wahlkampf führen werde und in Brandenburg stärker sei als in Sachsen, eine besondere Situation für die CDU. "Das müssen wir berücksichtigen."

Was also wird Merkel nun tun? Stefan Koslik, Politikchef bei der Schweriner Volkszeitung, der Merkel seit ihren politischen Anfängen beobachtet, ist davon überzeugt, dass die Kanzlerkandidatin sich nicht auf eine Ostkampagne einlassen wird: "Seit zwei Jahren hat sie sich endgültig von einer speziellen Ost-Identität verabschiedet." Und Jörg Biallas. Chefredakteur der Mitteldeutschen Zeitung aus Halle, meint: "Die Programmatik der CDU muss, wenn sie Erfolg haben will, überall identisch sein."