Augsburg. Der Prozess gegen Ludwig-Holger Pfahls vor dem Landgericht Augsburg geht seinem Ende zu. Dem damaligen Rüstungsstaatssekretär wird vorgeworfen, zu Beginn der neunziger Jahre im Schatten des ersten Golfkriegs für eine Bestechungssumme von 3,8 Millionen Mark Rüstungsgeschäfte mit Saudi Arabien, Israel und den USA vorangetrieben zu haben. Geldgeber war der nach Kanada entfleuchte Waffen-Lobbyist Karlheinz Schreiber.

Pfahls war fünf Jahre lang auf der Flucht, eine der "meistgesuchten Personen" des Bundeskriminalamts, bis ihn Fahnder Mitte vergangenen Jahres in Paris aufgriffen. Seit dem 20. Januar dieses Jahres sitzt er in Augsburg in Untersuchungshaft. Heute ist er geständig. Am 11. August wird das Urteil erwartet.

Bis dahin wird noch eine Reihe prominenter Zeugen gehört. An diesem Dienstag waren dies der frühere Bundesjustizminister Klaus Kinkel, der ehemalige Finanzminister Theo Waigel und Dieter Holzer, ein früherer "Freund"  - und einer der Protagonisten des Leuna-Elf-Aquitaine-Skandals sowie der großen CDU-Spenden-Affäre vom Ende der Neunziger Jahre.

Holzer will Pfahls während dessen Flucht immer wieder geraten haben, sich zu stellen, wofür der offenbar "zu feige" war. Waigel hat nie "Einflussversuche" durch Pfahls verspürt, und für Kinkel war der allenfalls "ausführendes Rad" am Wagen.

Auch Karlheinz Schreiber hat sich schnell noch zu Wort gemeldet. Pfahls' Geständnis sei komplett falsch, nur dazu da, mit einer geringen Strafe davonzukommen. So berichtet die Augsburger Allgemeine .

Was immer man von der Wahrheitsliebe dieses Herrn halten mag, auf eine verquere Weise könnte er Recht behalten. Von Anfang an nämlich läuft diesen Verfahren auf einen Deal hinaus. Maximilian Hofmeister, der Vorsitzende Richter, hat von Vorgesprächen berichtet, die alle Prozessparteien vor der Hauptverhandlung geführt hätten. Teil der Gespräche seien "geständnisgleiche Einlassungen" des Angeklagten  gewesen, die, sofern das Verfahren nicht grundlegend Neues offenbare, zu einer Strafobergrenze von zwei Jahren und drei Monaten führen werden.

Der Sinn solcher Deals ist es, die Justiz zu entlasten. Dass dieser Brauch, für den es keine gesetzliche Grundlage gibt,  auch dann genützt wird, wenn festzustellen wäre, ob Politik käuflich ist, erscheint fragwürdig. Denn Pfahls hat nur gestanden, beinahe widerwillig Geld genommen zu haben. Juristisch: Vorteilsannahme. Dass er sich zu pflichtwidrigen Verhalten verleiten, also bestechen ließ, bestreitet er.