Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die von Bundespräsident Horst Köhler beschlossene Auflösung des Bundestags als "souveräne Entscheidung" gewürdigt. Die große Mehrheit der Bevölkerung wolle eine Neuwahl, sagte Schröder am Donnerstagabend in Berlin. Er kündigte an, bei der Wahl am 18. September erneut anzutreten.Auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sagte, Köhlers Entscheidung verdiene Respekt, ebenso die Begründung. Der Bundespräsident habe deutlich gemacht, dass es beim Vorgehen des Kanzlers nicht mit "Trickserei" zugegangen sei.Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hat die Entscheidung von Bundespräsident Horst Köhler für eine Neuwahl des Bundestages "mit Respekt" begrüßt. "Der 18. September 2005 als erster Sonntag nach allen Schulferien ist der geeignete Wahltag", sagte er am Donnerstagabend in Berlin. Der Wähler entscheide dann, "welche Politik in den kommenden vier Jahren in Deutschland gemacht werden soll". Die SPD wolle "mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und möglichst in der Koalition SPD/Bündnis 90/Die Grünen den Weg der Vernunft weiter gehen und dafür arbeiten, dass es dem Land gut geht und dass soziale Gerechtigkeit gewährleistet wird".Die Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Katrin Göring-Eckardt und Krista Sager, haben die Entscheidung zur Auflösung des Bundestags als "nachvollziehbar und vernünftig" bezeichnet. "Wir waren nicht für das Stellen der Vertrauensfrage, halten aber Neuwahlen in der jetzt entstandenen Situation für den einzig richtigen Weg", erklärten sie am Donnerstag in Berlin. "Wir haben eine hohe Motivation und werden für ein starkes grünes Ergebnis kämpfen."Die beiden Bundestagsabgeordneten Jelena Hoffmann (SPD) und Werner Schulz (Grüne) wollen in Karlsruhe gegen Köhlers Entscheidung klagen, weil sie in Schröders Vorgehen bei der von ihm bewusst verlorenen Vertrauensfrage am 1. Juli ein Täuschungsmanöver sehen. Beide bekräftigten am Donnerstagabend in Interviews ihre Entscheidung.Der designierte Spitzenkandidat der Linkspartei, Gregor Gysi, hat die Entscheidung von Bundespräsident Horst Köhler für eine Neuwahl am 18. September begrüßt. "Ich halte die Entscheidung für verfassungspolitisch richtig und auch für dringend erforderlich", sagte Gysi am Donnerstagabend in Berlin. Eine andere Entscheidung hätte ein Staatskrise ausgelöst, da die Regierung handlungsunfähig gewesen wäre. Ein Staatsoberhaupt könne kaum anders entscheiden, wenn drei Viertel der Bevölkerung für Neuwahlen seien. Zu einer möglichen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts sagte Gysi, er gehe davon aus, dass Klagen gegen die Auflösung des Bundestages zurückgewiesen würden.Unions-Kanzlerkandidatin und CDU-Chefin Merkel rief die Deutschen dazu auf, die Auflösung des Bundestags als Chance für einen Neuanfang zu nutzen. Man dürfe sich nicht mit der Zahl von fünf Millionen Arbeitslosen abfinden. Ähnlich äußerte sich auch der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber. Deutschland sei in einer "bedrückenden Situation".CDU-Generalsekretär Volker Kauder ist zufrieden mit der Erklärung von Bundespräsident Horst Köhler zur Auflösung des Bundestages. Die Erklärung sei "wirklich beeindruckend" gewesen, sagte Kauder am Freitag im ZDF. Köhler habe klar gemacht, "dass jetzt der Wähler aufgerufen ist und er hat um einen fairen Wahlkampf gebeten". Er freue sich nun auf den Wahlkampf, ergänzte Kauder. "Wahlkampf ist eine interessante und für mich auch eine schöne Zeit: Man kann nämlich etwas gewinnen."Die FDP rechnet mit einer Bestätigung des Köhler-Votums in Karlsruhe. "Ich glaube, dass seine Entscheidung Bestand hat", sagte FDP-Bundestagsfraktionschef Wolfgang Gerhardt.