Waisale Serevi von den Fidschi-Inseln reißt die Arme empor, ballt zufrieden seine Fäuste und öffnet sie wieder, um Glückwünsche entgegen zu nehmen. Soeben hat er Sekunden vor dem Ende des Rugby-Finales der World Games das Ei in der Endzone der Südafrikaner abgelegt und mit dieser "Versuch" genannten Aktion für die entscheidenden fünf Punkte zum 31:26 Erfolg gesorgt. Mit dem Sieg haben die Männer aus dem Südpazifik ihre Ausnahmestellung in der Rugbyvariante bewiesen, die mit sieben Spielern pro Team gespielt wird und nicht wie herkömmlich mit 15. Da das Spielfeld jedoch bei beiden Versionen die gleichen Fußballfeld-großen Ausmaße hat, ist eine Menge Platz auf dem Grün. Bullige Abwehrspieler, die in vorderster Front ihren schnelleren Mitspielern den Weg freiräumen, braucht eine Mannschaft also nicht. Athletisch sind die Spieler dennoch und zeigen das, indem sie während der zweimal sieben Minuten Spielzeit fast unaufhörlich in jede Lücke zwischen den Gegenspielern laufen, Anspielstationen für die Mitspieler bieten und in der Abwehr die Widersacher zu Boden reißen, um wieder in den Besitz des ovalen Balles zu gelangen.

Serevis glücklichem Gesicht sind die Strapazen der fünf Spiele in zwei Turniertagen nicht anzumerken. Seit 18 Jahren ist er Rugby-Profi und auf den bewohnten der gut 900 Heimatinseln zwischen Neuseeland und Australien kennt und bewundert ihn fast jeder. Der 37-Jährige ist Kapitän und Trainer in einem und will mit seiner Erfahrung noch eine ganze Weile aktiv für internationale Titel sorgen. Dass keine olympischen dazukommen werden, liegt nicht an seinem - für aktive Sportler fortgeschrittenen - Alter. Als Botschafter für das 7-er Rugby schickte ihn der Weltverband IRB zur 117. Session des Internationalen Olympischen Komitees Anfang des Monats nach Singapur. Zu wenige Stimmzettel für eine Aufnahme in das olympische Programm 2012 wurden dort abgegeben. Serevi konnte daran in seiner Funktion des Sympathieträgers des Rugby aus der kleinen Eiland-Republik nichts ändern und erlebte etwas Seltenes in seiner Karriere: eine Niederlage.

So machtlos wie in dieser repräsentativen Rolle ist er auf dem Platz kaum zu sehen. Für die auffälligen Aktionen waren im Finale gegen Südafrika zunächst jedoch andere zuständig. Schon nach Sekunden brachte Sireli Naqelevuki die Fidschianer in Führung, indem er das Spielgerät wie ein wendiger Rammbock durch die Abwehrspieler trug und schließlich in der gegnerischen Endzone ablegte. Sein Pendant auf südafrikanischer Seite, Fabian Jurie, sorgte noch dafür, dass es zur Halbzeit nur 19:7 stand. Nach dem Seitenwechsel kamen die Fidschianer erstmals im gesamten Turnier in Bedrängnis und die Südafrikaner gingen zwischenzeitlich sogar in Führung. Beim Stand von 26:26 rannen die Sekunden schon in Richtung Verlängerung dahin, als Serevi angespielt wurde und nahe der Endzone nur noch einen Gegenspieler vor sich hatte. Nach einer Finte und einem katapultierenden Antritt konnte sich der Südafrikaner nur noch an seine Hacken hängen, aber nicht mehr den Versuch verhindern. Während Serevi normalerweise dafür zuständig ist, nach den "Versuchen" die schwierigsten Dropkicks durch die 5,60 Meter bereiten Tore zu treten – was zwei Punkte extra bringt -, hat er mal eben höchstpersönlich für die Titelverteidigung bei den World Games gesorgt.

Das deutsche Publikum war ähnlich begeistert wie in dem Moment, als das deutsche Team in der Vorrunde gegen Fidschi einen Versuch zum zwischenzeitlichen Ausgleich erzielte. Dass Deutschland dennoch deutlich unterlag und am Ende den achten und letzten Platz belegte, ist indes verständlich, da die Deutschen das einzige reine Amateurteam stellten. Während sich in allen angetretenen Ländern Rugby bereits großer Beliebtheit erfreut, wächst es hierzulande nur mühsam aus den Kinderschuhen. Das wiederum ist angesichts der Begeisterung in Duisburg schon eher unverständlich.