1985 schufteten zuletzt Arbeiter im Thyssen-Hochofenwerk in Duisburg Meiderich. Das alte Werksareal machte man Jahre nach Produktionsstopp jedermann zugänglich und es entstand der Landschaftspark-Nord, in dem sich jährlich rund 500.000 Besucher echte Ruhrpott-Nostalgik gönnen. Unter diese haben sich nun auch lauter Menschen in Trainingsanzügen gemischt, die weniger an schweißtreibender Industriearbeit interessiert sind, als vielmehr auf fernöstliche Kampfsportweise ins Schwitzen kommen wollen. Sumo-Ringer aus aller Welt suchen ihre Besten bei den World Games. Für das außergewöhnliche Spektakel haben sich die Veranstalter auf dem Industriegelände die Kraftzentrale ausgesucht - welch Symbolik, gewollt oder nicht.Doch damit geht's erst los, denn der japanische Ringkampf hat eine Menge Symbolik zu bieten. Schummrig beleuchtet taucht in der alten Fabrikhalle zwischen zwei Zuschauertribünen der Dohyo auf, die Kampffläche der Sumotori. Extra aus Japan angereiste Experten der Dohyo-Baukunst bastelten aus Lehm diese 60 cm hohe Warft und brauchten für diese Handarbeit vier Tage. Bevor Mr. Kazuo Yasui vom internationalen Sumo Verband diese große flache Sandburg betrat, um den zweiten Wettkampftag zu eröffnen, tauschte er seine schwarzen Funktionärsslipper noch flugs gegen ein paar Badelatschen- Etikette gehört schließlich beim Sumo dazu. Oben auf dem Lehmhaufen befindet sich der im Durchmesser 4,55 Meter große Ring, aus den sich die Sumotori während des Kampfes versuchen heraus zu schubsen oder in dem sie ihren Gegner zu Fall zu bringen wollen. Fein säuberlich ist dieser mit Sand bedeckt, um den sich nach jedem Kampf die ganz in krankenschwester-weiß gekleideten Ringrichter mit einem Strohbesen wie um einen lieben Patienten kümmern.Bis es zum Kampf kommt vergehen Minuten, die den Ritualen der Kampfrichter und Athleten gewidmet ist. Um den Ring symbolisch zu reinigen, wird Salz hinein gestreut; die Kämpfer verneigen sich artig, stampfen ein wenig auf dem Lehm herum, um auf Kommando aufeinander loszugehen. Dann geht's ziemlich schnell bis einer der beiden aus dem Ring fällt oder darin zu Boden geht. Besonders wenn in der offenen Gewichtsklasse gekämpft wird, wie es am Mittwoch bei den Damen der Fall war. Als der Hallensprecher die Athletinnen samt Gewichtsangabe vorstellte, schmunzelten einige Zuschauer, andere erschraken. Unter 60 Kilogramm wog die leichteste Teilnehmerin, über 150 brachte die Schwerste auf die Waage und allein das Los entschied, welche Gewichtsdifferenzen aufeinander prallen würden.Verständlich also das Schaudern vor dem Kampf der 150 Kg schweren Japanerin Rie Tsuihiji gegen Suany Jaima Guitierrez Martinez aus Kuba, die 65 Kg auf die Waage bringt. Die Frage schien allgegenwärtig, was die zierliche Dame aus Mittelamerika zu dieser schier offensichtlichen Form des Masochismus getrieben hat. Der Kampf ging erwartungsgemäß nur so lange wie man braucht, um Senoritas Namen auszusprechen. Das alleine hätte die zahlreichen Zuschauer noch nicht von den Sitzen gerissen, aber der Kampf nahm einen unerwarteten Ausgang. Gelang es tatsächlich der Kubanerin, ihre Kontrahentin auf den Boden zu hebeln. Tsuki- otoshi heißt die Wurftechnik, die Frau Tsuihiji aus dem Sumo-Mutterland wohl nicht vergessen wird. Für die japanischen Freunde der Symbolik wäre zur Darstellung dieser Technik wohl eine Davidsche Steinschleuder angebracht.Die ersten drei Plätze gingen am Ende dann aber doch an Damen, die im Verhältnis eher dem Typ Goliath ähneln. Die Russin Olesy Kovalenko gewann gegen Edyta Witkowska aus Polen, den dritten Rang belegte Ekaterina Keyb, ebenfalls aus Russland. Dass keine Japanerin gewann, verwundert indes nicht, da dort fast ausschließlich die männlichen Kämpfer verehrt und beachtet werden. Die japanischen Sumotori machten im Anschluss an den Damenwettbewerb die Sieger in der offenen Gewichtsklasse der Herren unter sich aus. Allesamt übrigens Amateure, die sich sicher erhoffen, künftig als Profi in ihrer Heimat zu kämpfen, die dort wie Superstars gehegt werden. Der erste Platz ging an Keisho Shimoda, gefolgt von Takayuki Ichihara und Seietsu Hikage.