Gerhard Schröder hat noch nie im nordrhein-westfälischen Datteln Wahlkampf gemacht. Vielleicht ist das auch besser so. Denn in der Stadt, von deren 37.000 Einwohnern immerhin 600 Mitglied der SPD sind, verspricht man sich nur Nachteile vom Spitzenkandidaten - zumindest sehen das die örtlichen Genossen so. "Ich lasse keine Wahlplakate von Gerhard Schröder kleben", kündigte der Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes, Heinz-Norbert Benterbusch, jüngst an, und fügte hinzu: "Schröder benimmt sich wie ein Alleinherrscher. Die Ungerechtigkeit seiner Politik kostet uns viele Stimmen."

Benterbusch ist bestimmt kein innerparteilicher Querulant. Der 53 Jahre alte Bankangestellte besitzt sein Parteibuch seit einem Vierteljahrhundert, er ist Betriebsrat und Stadtrat. Seit fünf Jahren führt er die Parteiorganisation von Datteln. "Urgesteine" nennen sie in der SPD solche Leute, und sein Unterbezirksvorsitzender Andreas Krebs sagt über Benterbusch: "Für den lege ich meine Hand ins Feuer." Hoffentlich wird das nicht nötig sein.

Benterbusch hat schon entschieden, wie er in seiner Stadt den Wahlkampf führen will. Schließlich weiß er, worauf die Bürger hier Wert legen: "Plakate sind doch von gestern. Von Haustür zu Haustür muss man gehen, wie wir es im letzten Landtagswahlkampf gemacht haben. So überzeugt man die Leute." Zumindest für Datteln scheint das zu stimmen. Seine SPD schaffte in der Landtagswahl im Mai 45,2 Prozent, also wesentlich mehr als im Landesdurchschnitt.

Immerhin, zumindest auf lokale Größen wollen die Genossen von Datteln nicht verzichten. "Wir kleben unsere Bundestagsabgeordnete Waltraud Lehn", so sagt es Benterbusch. Und keinen  Spitzengenossen, nicht einmal den Parteichef Franz Müntefering, der stammt doch immerhin aus NRW? "Nö. Mit dem gewinnt man auch nichts mehr", sagt der Ortschef, und: "Zur Not nehme ich ein Parteiordnungsverfahren in Kauf."

Soweit will es die Landespartei nicht kommen lassen. "Ich werde den Teufel tun, diesem verdienten Genossen ein Verfahren anzuhängen", verspricht Mike Groschek, der Generalsekretär. "Wir können ja auch selber hinfahren und unsere Plakate kleben, wenn es die Genossen vor Ort nicht wollen. Der Gerd Schröder klebt in Datteln, bestimmt!"