Teheran/Washington - Fünf Tage vor der Vereidigung des neuen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad hat sich der Streit um das Atomprogramm des Landes weiter verschärft. Die US-Regierung drohte der iranischen Führung erneut mit der Einschaltung des UN- Sicherheitsrats, falls Teheran seine nuklearen Ambitionen weiter verfolge. Iran hatte am Montag die UN-Atombehörde in Wien über die Wiederaufnahme seines umstrittenen Atomprogramms unterrichtet.

Unterdessen nominierte Ahmadinedschad den konservativen Politiker Ali Laridschani als neuen Außenminister, wie die iranische Nachrichtenagentur ISNA am Dienstag meldete. Laridschani (48) war ein ausgesprochener Gegner der Reformpolitik des scheidenden Präsidenten Mohammed Chatami. Er befürwortet die kompromisslose Wiederaufnahme des Atomprogramms und betrachtet die Verhandlungen mit der EU mit Skepsis.

Teheran übermittelte der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) in Wien ein Schreiben, nach dem Iran die Aktivitäten im Atomforschungszentrum von Isfahan sofort wieder aufnehmen will. Kurz vor der Übergabe des Schreibens an die IAEO hatte Teheran die Europäer ultimativ aufgefordert, noch am selben Tag ihre Vorschläge für ein umfassendes politisches und wirtschaftliches Abkommen mit Iran vorzulegen. Die Drohung Irans löste unter den europäischen Verhandlungspartnern Teherans - Deutschland, Frankreich und Großbritannien - intensive diplomatische Aktivitäten aus.

In Isfahan hatten iranische Techniker bis zur Unterzeichnung eines Abkommens mit der Europäischen Union im November 2004 das hochgiftige Gas Uranhexafluorid hergestellt, eine Voraussetzung für die Urananreicherung in Gaszentrifugen.

Washington sieht in den Schritten Irans die Vorbereitung zur Produktion von Atomwaffen. "Wir haben immer wieder betont, dass wir zum (UN-)Sicherheitsrat schauen, wenn sie (die Iraner) ihren Verpflichtungen nicht nachkommen", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, in Washington. Auch die EU warnte Iran davor, die Arbeiten zur Urananreicherung wieder aufzunehmen. In diesem Fall werde Brüssel zusammen mit den USA dafür plädieren, den Fall an den UN-Sicherheitsrat zu verweisen, wo Teheran mit Sanktionen belegt werden könnte.