Berlin . Krankenhausärzte streiken – am Sonntag haben 1.400 Ärzte in Baden-Württemberg und Hessen nicht gearbeitet und dies war der Auftakt zu einer bundesweiten Protestwoche. An diesem Mittwoch wollen Ärzte der Münchner Hochschulkliniken kurzzeitig die Arbeit niederlegen, teilte der Marburger Bund mit. Am Donnerstag wollen Ärzte in Erlangen auf die Straße gehen. Am Freitag ist eine zentrale Kundgebung in Berlin geplant.

Die Ärzte klagen über unzählige unbezahlte Überstunden und Bereitschaftsdienste, dazu noch über die Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Viele Ärzte entscheiden sich für eine Karriere im Ausland, weil von dort üppige Angebote locken.

Ausgelöst wurde der Protest, weil die deutschen Krankenhäuser im Streit um Bereitschaftsdienste eine längere Übergangsfrist für geltende Arbeitszeitmodelle verlangt hatten. Seit 2004 gelten Bereitschaftsdienste aufgrund eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs als Arbeitszeit. Bis Ende des Jahres sind in Deutschland allerdings noch frühere Arbeitszeitmodelle möglich.

Wenn die Übergangsregelung Ende 2005 nicht verlängert wird und Bereitschaft als Arbeitszeit gilt, sind nach Ansicht der Krankenhausgesellschaft mindestens 18.000 Vollzeitärzte zusätzlich nötig. Das koste rund eine Milliarde Euro. Die flächendeckende Versorgung sei in Gefahr, besonders in den ländlichen Gebieten, und es komme zu Personalengpässen, sagte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Wolfgang Pföhler, am Montag in Berlin.

Der Ärzteverband Marburger Bund warf den Krankenhäusern vor, "ewig gestrig" zu sein. "Wir haben massive Ärzteproteste wegen schlechter Bezahlung", sagte der Vorsitzende Frank Ulrich Montgomery der dpa.

DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer sagte der dpa: "Wir wollen im Grundsatz eine Anerkennung von Bereitschaftszeit als Arbeitszeit, aber es könnte Ausnahmen geben über tarifliche Maßnahmen." Sie nannte die Werksfeuerwehr als Beispiel.

Die Krankenhausgesellschaft kritisierte das Wirtschaftsministerium, weil es die Übergangsfrist nicht verlängern wolle. "Da wird bewusst der Kopf in den Sand gesteckt", sagte Hauptgeschäftsführer Jörg Robbers. Eine Finanzierungsregelung für Mehrkosten gebe es ebenfalls nicht.

Die rund 2.200 Krankenhäuser forderten außerdem mehr Wettbewerb im ambulanten Bereich. Pföhler sagte, die Kliniken könnten jede Leistung erbringen, würden wegen der derzeitigen Regelung aber daran gehindert. Er verlangte, nur noch Krankenhäuser und Kassen sollten über den Katalog ambulanter Leistungen entscheiden und nicht mehr Vertragsärzte.