Zehnter Planet des Sonnensystems entdeckt - müssen jetzt die Schulbücher umgeschrieben werden? Wohl kaum. Allerdings stimmt es, dass gestern Abend die Entdeckung eines interessanten großen Himmelskörpers im Sonnensystem bekannt gegeben werden konnte. Das vermutlich aus Stein und gefrorenem Methan bestehende Objekt namens 2003 UB313 kreist 14,5 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt um die Sonne. Es ist nach Angaben seiner Entdecker größer als der Pluto; sein Durchmesser beträgt schätzungsweise 3000 Kilometer. Entdeckt wurde es von Mike Brown vom California Institute of Technology (Caltech), Chad Trujillo vom Gemini Observatorium in Mauna Kea, Hawaii, und David Rabinowitz von der Yale Universität.

Allerdings fragt man sich nicht nur, ob das Ding überhaupt ein Planet ist, sondern sogar, ob Pluto rechtmäßigerweise zu dieser Klasse gezählt werden kann.

Bei 2003 UB313 handelt es sich um ein sogenanntes Kuiper-Objekt. So heißen die rund 70.000 Klumpen, die zusammen den Kuiper-Gürtel am Rande des Sonnensystems bilden, und es wurden schon mehrmals solche unter ihnen ausgemacht, die bis zu drei Vierteln des Umfanges von Pluto aufwiesen. Doch sie und auch Pluto selbst passen eigentlich nicht in die Definition dessen, was ein Planet ist – jedenfalls dann nicht, wenn diese Definition einigermaßen begründet sein soll.

Eine rein historische Definition könnte lauten: Die Planeten sind Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto, und aus. Insofern eine praktische Definition, als dass sie keine Unschärfe aufweist. Doch was, wenn weitere Objekte entdeckt werden, die den anderen neun im Prinzip gleichen und ebenfalls um die Sonne kreisen? Nun, die rein historische Definition ließe sich aufweichen: Neue Planeten dürfen mitspielen, wenn sie mindestens so groß sind wie Pluto, der kleinste. So gesehen wäre 2003 UB313 die Nummer zehn.

Dumm nur, dass diese Definition willkürlich ist. Besser in der Wissenschaft gründet diese: Alles, was aufgrund der eigenen Schwerkraft ballförmig ist und um die Sonne kreist, ist ein Planet. Praktischerweise pflegen unrunde Himmelskörper nur wenige Male kleiner zu sein als Pluto, sodass diese Definition der Atsronomie nicht die Verlegenheit beschert, so ziemlich jeden kreisenden Bröckel im Sonnensystem als Planeten ansehen zu müssen. Doch immerhin käme auf diese Weise ein gutes Dutzend Planeten zu den uns wohlbekannten neun – oder acht – hinzu. Übersichtlicher wird die Sache dadurch also nicht.

Der Caltech-Astronom Mike Brown bevorzugt daher eine Definition, die auf die Gruppenzugehörigkeit von Himmelskörpern Bezug nimmt. Im Sonnensystem kommen Objekte entweder in großer Zahl gemeinsam (wie im Kuiper-Gürtel) oder als ausgesprochene Einzelwesen daher, die bestenfalls von Monden umkreist werden. Solche Solitäre sind die Planeten von Merkur bis Neptun, aber Pluto zählt nicht dazu, denn in seiner Nachbarschaft fliegen viele andere Kuiper-Objekte vielfältiger Größen umher.

Dies ist auch der Grund, warum Brown es jetzt vermieden hat, seine neue Entdeckung "Planet" zu nennen. Doch immerhin: 2003 UB313 ist das erste nach Pluto entdeckte Objekt im Sonnensystem, das größer sein dürfte als dieser – nun ja: Nichtplanet.