Der verdächtige Rucksack-Attentäter gestand gleich nach seiner Festnahme in Rom. "Ja, ich bin es. Sie haben mir einen Rucksack in die Hand gegeben und gesagt, ich soll ihn in die U- Bahn-Station bringen." Auf dem Weg zur U-Bahn sei sogar Säure aus dem mysteriösen Rucksack gelaufen und habe ihm das Bein verätzt, erfuhr die Zeitung Corriere della Sera am Samstag nach Verhören des somalisch-stämmigen Mannes. Die Erleichterung über die spektakuläre Festnahme in Rom ist groß, doch viele bange Fragen bleiben. Vor allem: Wie konnte es dem Verdächtigen Osman Hussein gelingen, unbehelligt durch halb Europa zu reisen - mit der Eisenbahn und trotz weltweiten Terror-Alarms?

"In 48 Stunden von London nach Rom", titelt denn eine Zeitung, andere Experten sprechen bereits von einem "grandiosen Versagen" Frankreichs: Da habe die Regierung in Paris wegen der Terrorangst den Vertrag von Schengen faktisch ausgesetzt und wieder Grenzkontrollen angeordnet, die Fotos der Verdächtigen seien in jeder Zeitung zu sehen - und trotzdem gondelte der Somalier unbehelligt über den halben Kontinent. Dabei habe die Londoner Polizei die Handy-Nummer des Mannes weitergegeben - es war denn auch das "Telefonino", das ihn in Italien verraten hatte.

Die Operation zur Festnahme in Rom hatten die italienischen Spezialfahnder akribisch vorbereitet. Scharfschützen auf den Dächern, Spürhunde für Sprengstoff waren zur Hand. "Wir waren auf jede Möglichkeit gefasst. Wir sind ins Haus eingedrungen und haben ihn sofort neutralisiert", berichtet eine Fahnder. Der junge Mann sei mit den Nerven völlig fertig gewesen. Aber auch hier gibt es bange Fragen: Der Verdächtige sei wie auch andere Attentäter somalisch- stämmig.

Schon sprechen Experten mit Sorge von der "Somalia-Verbindung": Das Land am Horn von Afrika versinke vor den Augen der Welt in Anarchie und Chaos und sei längst zum Rekrutierungsgebiet einer zweiten El-Kaida-Generation geworden. Somalia gehörte einst zum kleinen italienischen Kolonialreich, lange Zeit unterhielt Mogadischu bevorzugte Beziehungen zu Rom. Aber das entscheidende: Viele der Flüchtlinge und illegalen Einwanderer, die in Booten über das Mittelmeer nach Sizilien kommen, stammen aus Somalia.

Italien fürchtet, mit den Flüchtlingen und Migranten kämen auch islamische Fundamentalisten und Terroristen ins Land. "Der Terror klopft an unsere Tür", sagt Innenminister Giuseppe Pisanu. Seit den Londoner Attentaten fühlt sich Italien so stark wie kein anderes Land bedroht. Mit seinen hunderten antiken Baudenkmälern und dem Vatikan als Zentrum der christlichen Welt gehört es laut Geheimdiensten zu den Hauptzielen der Terroristen.

Diese drohen immer wieder auf arabisch-sprachigen Internet-Seiten mit Terrorattacken, falls Ministerpräsident Silvio Berlusconi nicht seine 3000 Soldaten aus dem Irak abzieht. Bislang weigert sich Berlusconi, der Erpressung nachzugeben. Doch im Frühjahr sind Wahlen und sein Rivale, Ex-EU-Kommissionschef Romano Prodi, verspricht schon, er werde die Truppen im Falle eines Wahlsieges aus dem Irak abziehen. Das erinnert an die Situation in Madrid vor den Anschlägen vor einem Jahr.